Juni 2026  Tunesien  -  Italien  -  Schweiz  -  Österreich



Montag, den 01.06.2026: Von Gabes nach Matmata

Ein freundlicher Mitarbeiter vom Hotel Houda verabschiedet mich und ich beginne den ersten Tag der Woche und des Monats mit einer ganz besonderen Tagesetappe.

Die Berge rücken näher.

Bei meiner Café-Ole-Pause. „ he sette die, die immer he sette“

Kaum zu glauben, wie schnell sich die Landschaft total ändert.

Kurz vor dem Ziel.


Ein Stück weiter kommt mir Ahmed auf seinem Moped entgegen. Er bietet mir an: ein Hotelzimmer in Matmata mit eigenem Bad, AC, Wi-Fi, Abendessen und Frühstück für 80 Dinar= 23,60 €. Das ist unschlagbar.

Sie zeigt auf mich und sagt: Du warst doch im Mai 2002 schon mal hier.

Das Hotel und Restaurant Les Troglodytes ist meine Unterkunft.

Blick vom Balkon. Nach einer Rast und als die Mittagshitze nachlässt, mache ich mich auf die Suche nach den Höhlenwohnungen und werde schnell fündig.

Unzählige Höhlenwohnungen gibt es hier noch, die meist noch als Viehställe genutzt werden. Ein paar sind etwas folkloristisch für die Touristen hergerichtet.



INFO:
Südöstlich von Chott el-Jerid dominieren die Matmata-Berge die weite Ebene von Djeffara.


Das Dorf Matmata liegt vierzig Kilometer südwestlich von Gabès. Es schmiegt sich in 600 Metern Höhe an den Berghang und zählt ca. 4.500 Einwohner. Bekannt ist es für seine bemerkenswerten Höhlenwohnungen, die es zu einem der Höhepunkte des tunesischen Tourismus machen. 

Es handelt sich um in den Berghang gegrabene Behausungen um einen großen, meist kreisförmigen Brunnen. Um diesen Brunnen, der den Innenhof der Behausung bildet, sind die Räume längs und terrassenförmig angelegt. Die untere Ebene dient als Schlafzimmer, Küche, Schafstall für Ziegen und Stallungen, während die obere Ebene der Lagerung  von Getreide, Datteln, Oliven und getrockneten Feigen vorbehalten ist.

In dieser Region, die mehrere Monate im Jahr von intensiven Hitzewellen heimgesucht wird, ermöglicht diese besondere Bauweise, dass Licht in die unterirdischen Räume eindringt und gleichzeitig während der heißesten Sommermonate für angenehme Kühle sorgt. Obwohl die Innentemperatur dieser Behausungen, ähnlich wie in einer Höhle, nicht das ganze Jahr über konstant ist, sind die Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer recht gering: etwa 15 Grad Celsius im Januar und 23 bis 25 Grad Celsius im Juli.


Morgen stehen 102 km auf dem Plan, von Matmata nach Douze, darum werde ich in kühlen Morgenstunden starten.


Tagesdaten: 43 km/3:25 Std. Zeit in Fahrt/472 m Anstieg und 117 m Abstieg.




Dienstag, den 02.06. 2026 von Matmata nach Douz.

Heute hat mein Freund Angelo Geburtstag.
Da 100 km vor mir liegen, steige ich schon um sechs Uhr in den Sattel, bei noch angenehmen Temperaturen.

Am frühen Morgen ist das Licht noch weicher.


Nach intensiver Kurbelarbeit erreiche ich um kurz nach sieben Uhr, den einzigen Ort auf der Strecke, Tamezret, der auch der höchste Punkt der heutigen Etappe darstellt. Danach geht es sanft ins Tal.

Blick ins Tal

Es wäre dumm, nicht jede Möglichkeit zu nutzen, vor der Hitze in den kühlenden Schatten zu fliehen.

Das ist das Oasenteam, sie sind zuständig für heißen Kaffee und kühle Getränke. Mein zweites Frühstück nehme ich auch hier zu mir. Gestärkt und die Körpertemperatur auf normal gekühlt geht es weiter.

Die Wüste ist öde und leer.

Aus der flimmernden Hitze taucht mein Lichtblick des Tages auf. Es ist Shima aus dem Iran. Sie ist die erste Langdistanz-Bikerin, die ich bis jetzt in Nordafrika getroffen habe. Sie will nach Matmata, sagt sie mir, da bist du aber spät dran, Mädel.

Dünen sollen die Straße sandfrei halten.

Das Hotel hatte ich mir gestern als Favorit bei Google herausgesucht und ich bin begeistert, als ich mein Zimmer sehe. 

Mit eigenem Bad, AC, und stabilem Wi-Fi, was will man mehr? Die Übernachtung schlägt mit 45,– Dinar zu Buche. 

Bei der Post gibt es frische Dinar aus dem Geldautomaten. Essen gehen und dann noch den Report von heute schreiben, dann ist Feierabend.


INFO
Douz ist eine Oasenstadt im Süden Tunesiens mit etwa 30.000 Einwohnern. Sie liegt 30 Kilometer südlich von Kebili im Nefzaoua-Oasengebiet südlich des Salzsees Chott el Djerid. Aufgrund ihrer Lage am Rand des Grand Erg Oriental ist die Stadt als „Tor zur Sahara“ bekannt.


Tagesdaten: 103 km/7:00 Std. Zeit in Fahrt/250 m Anstieg und 400 m Abstieg.




Mittwoch, den 03.06.2026: Ruhetag in Douz. Heute hat Jan Keller Geburtstag.


Dous die Stadt am Rande der Sahara gefällt mir und da ich sehr gut im Zeitplan liege, bleibe ich noch einen Tag hier.

Nachdem die Schmutzwäsche auf der Leine hängt, mache ich mich auf den Weg zum Sahara Museum.

Das ist das Mohamet Marzouki Kulturzentrum, fast hätte ich es mit dem Museum verwechselt.

Gleich nebenan bin ich richtig. Nachdem ich den 5-Dinar-Obolus entrichtet habe, kann ich mir ganz in Ruhe die Ausstellung ansehen, ich bin ganz alleine hier. Ich formuliere es mal so: Das Museum ist sehr übersichtlich. Da habe ich mehr Zeit auf dem Marktplatz, mich umzusehen.

Hier finde ich Postkarten, wo ich schon eine Weile nach Ausschau halte. Briefmarken bekomme ich auf der Post. Jetzt brauche ich nur noch Brot, da frage ich mich durch, bis ich an den jungen Mann gerate, der den kleinsten Elektrogroßhandel in Douz betreibt. So wie früher Küsters Heinz aus Dülken.

Der Küsters Heinz von Douz. Er schwingt sich auf sein Moped und holt mir aus der Bäckerei zwei Baguettes und schenkt sie mir.

Morgen werde ich über die Oasen am Rande des Chott el-Jerid (ein Salzsee) entlang, zur Stadt Kebili fahren. Morgen werde ich auch wieder früh starten, denn in der Mittagszeit sind es 40 Grad hier im Moment.




Donnerstag, den 04.06.2026: Von Douz über die Oasen am Chott el-Jerid entlang nach Kebili


Heute ist Fronleichnam, da fällt mir ein, ich habe meine Brückentage nicht eingetragen, was Nun?
Um 7 Uhr 15 verlasse ich die Unterkunft und habe Nouil in mein Navi eingegeben. Douz habe ich gerade hinter mir gelassen, finde ich mich wieder in einem Meer von Dattelpalmen.

Man schätzt die Anzahl der Dattelpalmen im Raum Douz auf 200 000–300 000 Dattelpalmen der berühmten Sorte Deglet Nour.

Am Rande der Sahara, das wird einem schnell klar, wenn man die Strecke fährt.

Eines der wenigen Dörfer auf der Strecke.

Ein Ausläufer des Chott el-Jerid

Der im Sommer austrocknet und zum Salzsee wird.

Ein Dölkerdutzend Kilometer vor der Stadt Kebili. Die Lage hat sich geändert. Wenn mich, zum Anfang des Tages der Rückenwind mit 30 km/h über die Straße blies, kommt der Wind nun von vorne rechts und ich krieche mit 6 km/h über den Asphalt.

Um halb zwölf kommt mein Ziel in Sicht und das Hotel Kitam ist auch schnell gefunden. Die haben ausgebucht, wie mir ein junger Mann sagt. Das Hotel sieht auch nicht gerade einladend aus. Der junge Mann winkt ein Taxi heran, gibt ihm 3 Dinar, der soll mich zu einem Hotel lotsen. Das Hotel Autruches liegt am Rande der Wüste. Das war mal früher eine Touristenunterkunft der Extraklasse mit Pool und allem Schickimicki und jetzt ein wenig in die Jahre gekommen. Für mich ist das mehr als okay.

Mein Apartment für heute. Hier soll es auch noch eine Bar geben.


Morgen geht es über den Chott el-Jerid nach Tozeure.


Tagesdaten: 55 km/4:20 Std. Zeit in Fahrt/155 m An- und Abstieg



Freitag, den 05.06.2026    Von Kebili nach Tozeure


Nachtrag zu gestern: Diese abgehalfterten Touristenhotels haben die Lizenz Alkohol auszuschenken. Zwei Bier habe ich mir getrunken aber etwas Essbares wurde nicht angeboten. Also binde ich mir die Küchen Schürze um und koche mir an meinem Einflammen Herd, ein Reisgericht mit einer Thunfisch-Soße.

Echt lecker

Eingang zum Hotel

Der Startschuss für die heutige Etappe fällt um 6 Uhr 08

Das Tor zur Wüste

Mein Freund der Rückenwind ist mit von der Partie und an den Tagesdaten kann man das gut ablesen.

Das Chott el-Jerid bestimmt das Landschaftsbild


INFO:
Der Chott el-Jerid erstreckt sich fast hundert Kilometer von Osten nach Westen und geht an seiner Ostspitze in den Chott el-Fejaj über. Entlang einer Ost-West-Achse zwischen Nefta im Westen und El Hamma im Osten bedeckt das gesamte System fast die gesamte Breite des südlichen Tunesiens, zwischen dem Golf von Gabès und der algerischen Grenze, die jeweils etwa zwanzig Kilometer vom Chott entfernt liegen.

Was für die Touristen. Auf der anderen Seite ist ein Verkaufsstand wo man Salz und Wüstenrosen erwerben kann.

Der Salzsee


Nach 75Km ist die Querung des Chott beendet. In Tozeur angekommen, halte ich mich an die Beschilderung Medina und direkt das erste Hotel, an der Medina gelegen passt für mich ausgezeichnet, und ich buche für zwei Übernachtungen.

Blick von meinem Balkon in den Innenhof vom Hotel Dar Ghaouar was auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Morgen, nach dem ich gefrühstückt habe, werde ich mir die Medina anschauen.


Tagesdaten:  95 Km / 4:40 Std. Zeit in Fahrt / 177 m Anstieg und 202 m Abstieg.




06.06. 2026     Besichtigung der Oasenstadt Tozeur.  Heute hat Hanni, meine große Liebe, Geburtstag.


Am 10. und 11.05.2002 war ich schon einmal hier in Tozeur und ich muss sagen: Ein Monat früher ist schon die bessere Zeit hier in der Gegend. Jetzt ist es in der Mittagszeit einfach zu heiß, um was zu unternehmen. Auch ist das Zelten keine gute Option bei den Temperaturen.
Darum schaue ich mir die Medina direkt nach dem Frühstück an.


INFO:
Tozeur, das römische Tusurs, ist eine Stadt im südlichen Tunesien mit ca. 47.000 Einwohnern. Die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements bildet das Zentrum der Region "Land der Dattelpalmen"
Hier ein paar Schnappschüsse aus der Stadt

Das Tor zur Altstadt

In der Medina

Die Stadt ist bekannt für ihre Klinkertechnik

Durch die Ornamentik,  sodass Klinkerelemente vor und zurückstehen, entsteht eine Beschattung der Fassade.

Ein beschatteter Laubengang

Eine der vielen Moscheen

Eine schön dekorierte Gasse

Ich habe gelesen, man sollte eine Kutschfahrt oder einen Spaziergang durch die Oasengärten machen. Ist bestimmt schön, wenn man die müllfreien Wege kennt.


Am Abend werde ich mir Pasta à la Torzeur zubereiten. Die Zutaten habe ich heute Morgen auf dem Markt eingekauft. Dazu ein kühles Bier, da freue ich mich schon drauf.


Morgen möchte ich es bis zur Oasenstadt Gafsa schaffen.



Nachtrag zu Gestern:
Erstens kommt es anders und zweitens als du denkst.
Gestern Nachmittag, gerade habe ich den Tagesreport an Ingo geschickt, da kommt mir der Gedanke, die Strecke von Tozeur bis nach Kairouan mit dem Bus zurückzulegen. Bei Tante Google schaue ich nach, wo hier der Busbahnhof ist, und mache mich auf den Weg dahin. Dort finde ich auch einen Mitarbeiter, der Englisch spricht und mir die Einzelheiten erklärt. 8:00 Uhr ist Abfahrt. Eine halbe Stunde soll ich vorher da sein. 20,800 Dinar kostet das Ticket,  10,000 das Fahrrad und 5,000 für das Gepäck. Die Fahrt dauert ca. 5 Stunden. Jetzt bin ich mal gespannt, wie das morgen klappt.

Sonntag, den 07.06.2026: Von Tozeur mit dem Bus nach Kairouan

Um sieben Uhr verlasse ich das Hotel Ghaouar und radele rüber zum Busbahnhof. Es klappt alles wie gestern besprochen, auch wenn der junge Mann, der Englisch sprach, nicht da war.

Der Ticketschalter. Das Rad habe ich zum Verstauen vorbereitet. Alle Gepäcktaschen abnehmen, Sattel mit Stütze ab, Vorderrad raus und Lenker querstellen.


Alles ist verstaut und ein paar Minuten nach acht Uhr  geht die Fahrt los.

Der starke Wind kommt von vorne rechts, juckt mich aber heute nicht.

Ein deutsches Nummernschild

Der Bus und sein Pilot.


Pünktlich nach ca. 5 Stunden erreichen wir das Busterminal in Kairouan. Ausladen und schauen, dass ich meine Sachen zusammenhabe, denn der Bus fährt direkt weiter nach Tunis. In der Altstadt unweit der Stadtmauer finde ich im zweiten Anlauf, ein Hotel für mich.

Blick aus meinem Fenster


Morgen werde ich mir die Stadt anschauen, habe schon einiges darüber gelesen.

Tagesdaten: 294 km/4:30 Std. Zeit in Fahrt/1189 m Anstieg und 1198 m Abstieg mit dem Bus.

Mit dem Fahrrad: 8 km/0:45 Std. Zeit in Fahrt.




Montag, den 08.06.2026: Besichtigung Kairouan


INFO:
Kairouan ist bekannt für ihre reiche Geschichte und kulturelle Bedeutung. Sie wurde im Jahr 670 n. Chr. gegründet und gilt als eine der ältesten islamischen Städte Nordafrikas. Die Stadt ist ein bedeutendes Zentrum für Religion und Bildung und spielt eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Islams in Nordafrika. Kairouan ist bekannt für seine Große Moschee, die als eines der wichtigsten Heiligtümer des Islams nach Mekka, Medina und Jerusalem angesehen wird. Die Stadt hat sich zu einem kulturellen Schmelztiegel entwickelt, in dem arabische, berberische und mediterrane Einflüsse zusammenkamen.

Heute ist Kairouan UNESCO-Weltkulturerbe und zieht viele Besucher an.

In der Medina

Die Gasse der Schneider

Tür und Tor

Die Moschee der drei Türen

Der alte Friedhof neben der großen Moschee

Die große Moschee von Kairouan

Der Innenhof

Der Gebetsraum

Säulengang

Ein Ort, der zum Meditieren einlädt.


Morgen möchte ich mit dem Fahrrad bis zur Stadt Hammamet radeln, worauf ich mich jetzt schon freue. Ein schöner Ort, der direkt am Meer liegt und wo ich schon auf der Fahrt in den Süden übernachtete.




Dienstag, den 02.06.2026: Von Kairouan nach Hammamet.


Meine Freundin Ursula hat heute Geburtstag.

Start um sechs Uhr. Ein angenehmes Lüftchen macht das Pedalen heute Morgen zum Genussradeln.

Als ich die zahlreichen Industriegebiete hinter mir gelassen habe, beherrschen die riesigen und schier endlos scheinenden Olivenplantagen, das Landschaftsbild.

Pause nach 60 km in der Stadt Enfida an einem der zahlreichen Straßen Cafe`s

Blick von meinem Balkon im Hotel Les Zitronnirs in Hammamet, welches ich auch schon auf der Fahrt in den Süden genutzt habe. Zwei Nächte buche ich an der Rezeption, weil ich einen Tag Badeurlaub machen möchte.

Am Pool. Mein Balkon ist der vorne an im ersten Stock links. Ein paar Bahnen bin ich schon geschwommen, was ich morgen in der Früh vor dem Frühstück wiederholen werde. Nach dem Frühstück werde ich mal den Strand inspizieren.


Tagesdaten: 102 km / 6 Std.  Zeit in Fahrt / 172 m Anstieg und 219 m Abstieg



Mittwoch, den 10.06.2026: Badeurlaub in Hammamet.


Mein Freund Peter Montforts hat heute Geburtstag. Wir kennen uns schon seit der Lehrzeit bei der Fa. Felix Tonnar.
Nachdem ich vom Pool zurück bin, frühstücke ich erst mal mein geliebtes Müsli und schlürfe  einen Kaffee dazu.

Danach mache ich mich auf den Weg zum Strand, den ich zu Fuß in 5 Minuten erreicht habe.

Der Strand, wo reichlich Platz ist. Einen Liegestuhl  und einen Sonnenschirm bekomme ich gratis beim Vorzeigen der Gästecard vom Hotel Citronniers.

Jetzt erstmal die Füße hochlegen.

Für Unterhaltung wird gesorgt.

Zum Mittag habe ich mir einen Salat „Früchte des Meeres“ bestellt, und eine Gerstenkaltschale dazu rundet die Vitaminbombe ab.
Heute Abend gibt es Resteessen. Gestern hatte ich Nudeln mit frisch gemachter Soße. Von der Soße ist genug übergeblieben. Da koche ich noch eine Portion Nudeln und fertig ist das Abendessen.


Morgen radele ich zurück nach Tunis und fahre direkt zum Hafen, um die Fähre für Sonntag, den 14.06.2026, nach Genua zu buchen. Drückt mir mal die Daumen.




Donnerstag, den 11.06.2026   von Hammamet über La Goulette -Tunis zur Altstadt Tunis


Es hat gewittert und geregnet in der Nacht. Obwohl ich die Schiebetür weit geöffnet hatte, habe ich
nichts davon mitbekommen. Um sechs Uhr verlasse ich das Hotel und bin bald auf der N1, die nach Tunis führt.

Der Verkehr wird dichter in den Vororten von Tunis. Geplant hatte ich die Route über Rades Hafen und über die Brücke nach La Goulette zum Fährhafen. Mein Garmin leitet mich aber über Tunis und dann erst nach La Goulette. Obwohl die Strecke 15 Kilometer weiter ist, folge ich gehorsam meinem Garmin.

Um 11:00 Uhr stehe ich vor dem Ticketbüro der GNV (italienischen Fährgesellschaft) und habe nach ein Paar Minuten mein Ticket nach Genua in der Tasche.

Mein Ticket: Sonntag, den 14.06. um 14:15 Uhr ist die Abfahrt und Montag, den 15.06. um 13:00 Uhr soll die Fähre in Genua, Italien, anlegen.

Hoffentlich ist die Fähre besser in Schuss als diese Skulptur im Kreisverkehr.

Es muss bitte aber auch nicht so eine schwimmende Hotelburg sein. Auf der Rückfahrt nach Tunis sehe ich auch, warum das Garmin mich den Umweg geschickt hat. Die Brücke darf nur von Pkw und Lkw befahren werden.

Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen, als ich nach Tunis in die Altstadt komme.

Mein Vermieter hat mir über WhatsApp den Standort geschickt und ich ihm die Ankunftszeit. So sind wir fast gleichzeitig an der Wohnung.


Nachdem alles geregelt ist, gehe ich einkaufen. Da der Christian Mädler mir gestern ins Gästebuch geschrieben hat, dass mit dem Nachschub von Bier und Wein in Italien die Durststrecke hinter mir liegt, gehe ich lieber auf Nummer sicher und kaufe hier schon mal Wein und Bier ein. Ich hab ja kein Problem mit dem Alkohol, solange ich welchen habe.


Tagesdaten: 91 km/5:45 Std. Zeit in Fahrt/270 m Anstieg und 280m Abstieg. 




Freitag, den 12.06.2026: Ruhe und Erholung in Tunis.


Natürlich gehören zu den Ruhe- und Erholungstagen auch ein paar Dinge, die ich zu erledigen habe. Die Schmutzwäsche will gewaschen werden, das Rad wird gereinigt und durchgecheckt.  Die Grobe Planung der Etappe, von Genua am Mittelmeer bis Bregenz am Schwabenmeer, möchte ich noch machen. Dazwischen gehe ich spazieren und lasse den Alltag der Leute auf mich wirken und versuche, ein paar passende Fotos zu schießen.

Der Bürgersteig und die halbe Straße werden oft zum Schaufenster.

Wenn Licht, Schatten und Farbe zusammentreffen.

Möbel und Lampen findet man hier.

Auch wer eine Jeansgröße XXXXXL sucht, wird hier fündig.

Tunis ist auch eine moderne Stadt.


Am Nachmittag bekomme ich einen Anruf von meiner Schwägerin Martha. Sie ist außer sich  und total verunsichert. Pamela liegt im Krankenhaus. Eine ganz schlimme, lebensbedrohliche Infektion hat sie und sie braucht Medikamente, die 30.000 € kosten. Nachdem ich den ersten Schock überwunden habe, kann ich Martha auch davon überzeugen, dass dies ein Enkeltrick war. Es ist so ein abscheuliches Verbrechen, die Bezeichnung Enkeltrick ist verharmlosend. Habe aber direkt mit Pamela Kontakt aufgenommen, es ist alles in Ordnung.

Morgen habe ich noch einen Tag zum Zeit totschlagen.




Samstag, den 13.06.2026: Letzter Tag in Tunis. Mein Kegelbruder Odo feiert heute seinen Geburtstag.


Heiße Tage liegen vor uns, zeigt mir das Laptop an. Okay, dann pack ich morgen das schöne Wetter ein und bringe es mit nach Europa.

Im Innenhof meiner Altstadtwohnung habe ich Platz genug, um das Fahrrad zu reinigen, und auch der verschmutzte Zeltboden hängt neben der Wäsche auf der Leine.

Schlafzimmer

Das Wohnzimmer habe ich voll in Beschlag genommen.

Das 4-Sterne-Hotel am Platz Bab al Bahar hätte ich auch nehmen können, aber die hätten mich nicht mit Rad aufs Zimmer gelassen.

Nachdem ich gegessen habe und der Proviant aufgefüllt ist, tausche ich die restlichen 170,– Dinar in Euro. An Bord ist der Euro die akzeptierte Währung. Morgen muss ich spätestens um 11:15 Uhr am Schiff sein, hat mir die Reederei GNV geschrieben. Es sind zwar nur 11 km bis dort, aber ich werde gegen neun Uhr von hier losradeln.




Sonntag, den 14.06.2026: Überfahrt mit der Grandi Navi Veloci (GNV) Fähre von Tunis nach Genua. 

Um neun Uhr verlasse ich meine Unterkunft und lasse den Schlüssel, wie abgesprochen, auf dem  Wohnzimmertisch liegen und ziehe die Tür hinter mir zu.

Vorbei am markanten Uhrenturm radle ich auf der Lagunen-Schnellstraße zum Fährhafen. Es folgt das übliche Prozedere, das Durchleuchten des Gepäcks, wobei ich eine Gaskartusche aus der Küchentasche herausholen muss. Die darf nicht mit an Bord, sagt man mir. Um die fast leere Gaskartusche ist es nicht schlimm, die volle Gaskartusche, die im Zeltsack verpackt ist, hat keiner gesehen. Nach Passkontrolle wird mein Fahrrad mit Gepäck noch mal durchleuchtet.

Das nette australische Paar habe ich in der Wartehalle kennengelernt. Die beiden sind auf Nordafrika-und Europa-Trip. Selbstverständlich stehen auch mehrere Städte in Deutschland auf ihrer Liste.

Zu der zweiten Fähre muss ich hin.

Dort im Bauch der Fähre finde ich einen sicheren Platz für mein Norwid2.

Auf dem Sonnendeck

Ein wenig Kreuzschiff-Ambiente.


Nach der letzten Fahrt von Marseille nach Algier, habe ich dazugelernt und eine große Radtasche gepackt. Da ist Proviant drin, eine Isomatte, Inlett, Kopfkissen und ein Gutenachttröpfchen ist auch dabei.




Rückblick auf eine Radreise durch Tunesien.


Eine Reise, die alle meine Sinne beansprucht hat und sicher noch lange im Kopf bleibt. Vor 24 Jahren im Mai sind Angelika W. und ich mit der LTU nach Djerba geflogen und haben den Süden des Landes unter die Räder genommen. So habe ich versucht, bei dieser Radreise verstärkt die Orte in Tunesien zu besuchen, die ich noch nicht kannte.


Viele nette und offene Menschen habe ich kennengelernt, so auch Chima, eine iranische Bikerin, die einzige Radreisende, die mir in Algerien und Tunesien begegnet ist. Tunesien eignet sich sehr gut als Einsteigerland für Reisende, die noch kein afrikanisches oder arabisches Land bereist haben. Der Süden ist am besten im April und Mai zu bereisen. Im Juni kann es schnell über 40 Grad heiß werden. Der Norden und an der Mittelmeerküste ist es da noch von den Temperaturen angenehmer.


Fazit: Ein Land, welches einfach zu bereisen ist. Die touristische Infrastruktur ist gut ausgebaut. Die Menschen sind freundlich, aber auch eher zurückhaltend. Du kannst über die Basare schlendern, ohne permanent angesprochen zu werden, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Bildet eure eigene Meinung und besucht dieses interessante Land, das für jeden eine Überraschung bereit hält.





Montag, den 15.06.2026
Ich habe sehr gut geschlafen und als ich hinaus aufs Meer schaue, zieht gerade Korsika vorbei.

Ein toller Anblick, mit einer geputzten Scheibe wäre es noch schöner gewesen.

Die Hafeneinfahrt von Genua. 

Gestern lief das Schiff mit einer Stunde Verspätung aus. Heute sind wir dafür zwei Stunden früher da als geplant. Die Zollabfertigung ist problemlos und mein Navi kennt den Weg zum Campeggio Villa Doria, den Gabi und ich auf unserer Italien-Reise auch schon besucht haben. Bei einer Baustelle mit Umleitung verfranse ich mich und lande auf der Autobahn. Doch irgendwie finde ich die SS1 wieder und bin um 13:00 Uhr auf dem Campingplatz Villa Doria. Erst mal Kaffee aufschütten und was essen, denn mein Motor läuft seit sechs Uhr heute Morgen, auf Kaffee und einem Croissant. Gleich nachdem ich die Daten an Ingo geschickt habe, koche ich was Nudeliges.


Morgen geht es über die Seealpen Richtung Pavia.


Tagesdaten: Mit dem Rad 26 km/2 Std. Fahrzeit/287 m hoch und 221m runter. Mit dem Schiff 720 km in 15 Stunden





Dienstag, den 16.06.2026 Von Genua über die Seealpen nach Casatisma (ca. 20 km vor Pavia)


Normalerweise wäre ich auf dem Platz noch einen Tag geblieben, aber ich habe in Tunis 3 Tage Zeit totgeschlagen und bin ganz heiß aufs Radfahren. Alles ist verpackt, doch beim letzten Kontrollgang sehe ich noch mein schwarzes T-Shirt, das zum Trocknen noch auf dem Geländer lag. Um 6 Uhr 30 schiebe ich das Rad hoch bis zur Rezeption. Dort steige ich in den Sattel.

Blick hinunter zur Stadt. Von der Stadt geht es ohne U bis Umschweife hoch bis auf 532m ü NN.

Dort erreiche ich den Passo Turchino. Nach dem Pass geht es genauso konsequent nach unten in die Poebene, Italiens größtes Reisanbaugebiet.

Noch sind an den Hängen gebaute Dörfer zu sehen. Das Läuten der Kirchenglocken habe ich vermisst und es vermittelt etwas Heimatgefühl.

Einige Flüsse, die aus den Seealpen Richtung Po verlaufen, überquere ich oder fahr eine Weile an ihrem Ufer entlang.

Der Serivia führt nicht mehr allzu viel Wasser. Mit den Kiesbänken erinnert mich der Fluss an Isar und Lech.

Mensch Maria, lass bloß das Kind nicht fallen.


Ich bin schon 20 km vor Pavia, wo es einen Campingplatz gibt. Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, da kommt auf der linken Seite das Hotel & Restaurant Kataclisma. Da buche ich für eine Nacht und habe morgen eine Kurzetappe. Das passt gut, denn in den Supermarkt muss ich auch dringend, die Vorräte auffüllen.

Das Hotel

Das Rad steht sicher in der Rezeption


Tagesdaten: 122 km/8:00 Std. Zeit in Fahrt/876 m Anstieg und 848m Abstieg




Mittwoch, den 17.06.20: Von Casatisma bis Pavia. Eine super Kurzetappe mit Stadtrundfahrt.


Ich muss doch noch mal über den gestrigen Abend berichten.
Mit mir waren wir 5 Gäste im Hotel und am Abend ab 20:00 Uhr im Restaurant. Der Chef kommt an den Tisch und erzählt mir auf Italienisch und ein paar Brocken Englisch, was er heute auf der Tageskarte hat. Ich folge seinen Vorschlägen und bin restlos begeistert vom Geschmack. Lange ist es her, dass ich so gut und schmackhaft im Restaurant gegessen habe.

Es ist halb zehn, als ich in den Sattel steige.


Heute Morgen habe ich alle Zeit der Welt, denn es sind nur 21km bis zum Camping Ticino in Pavia.
Die Brücke über den Po ist bis auf eine Spur gesperrt. Sie wird saniert. Für Radfahrer gesperrt. Als ich an der Sperrung ankomme. Werde ich durchgewunken. „Oh, wie schön ist Italia.“

Bald sehe ich auch schon von weitem die berühmte Brücke Ponte Coperto, die ich nutze, um den Ticino zu überqueren, und pedale danach durch die autofreie Innenstadt, die einen verzaubern kann. Genau das ist der Moment, wo ich schon mal das Fotografieren vergesse.

Die zauberhafte Innenstadt

Die Kuppel vom Dom

Bald erreiche ich den Camping Tisino, den ich mit Gabi auch genutzt habe. Ein schöner Platz mit vielen großen Bäumen und genügend schattigen Plätzen. 

Am Nachmittag koche ich Nudeln mit weißen Bohnen. Später im Supermarkt fülle ich den Proviant auf. Da kann es morgen ja weitergehen. Über Milano bis zum Comersee führt die Route.


Tagesdaten: 21 km/1:25 Std. Zeit in Fahrt/77 m Anstieg/80 m Abstieg





Donnerstag, den 18.06.2026: Von Pavia über Mailand nach Montorfano.

Jetzt bin ich schon in den Jahren zuvor dreimal an Mailand vorbeigefahren, das hat diese Stadt nicht verdient. Also habe ich mir für heute vorgenommen, die Innenstadt und den Dom in Mailand anzuschauen.


Am Morgen bin ich wie meist der Erste, der auf den Beinen ist. Nach dem Frühstück, die Taschen hängen schon am Fahrrad, da werden die beiden jungen Motorradfahrerinnen wach. Sie waren gestern am späten Nachmittag noch gekommen. Der Schweizer Velofahrer, mit dem ich mich gut unterhalten habe, schläft noch, als ich vom Platz rolle.

Hier sieht alles noch ruhig und ländlich aus.

Rechts und links der Straße sind riesige Reisfelder zusehen.

Mein Navi findet den Europa-Radweg No. 5, der mich bis ins Zentrum der Stadt leitet.

Immer einem Kanal folgend bringt er mich bis zum inneren Ring. Von hier ist es nicht mehr weit und ich stehe vor dem berühmten Dom von Milano.

Ein fantastisches Gebäude.

Jetzt wieder hier hinauszufinden, ist nicht einfach. Die Stadt der Straßenbahnen, so habe ich die Stadt getauft. So viele Straßenbahnen habe ich noch nirgendwo gesehen.

Da kommt die Fahrradschnellstraße genau richtig.

Die Berge kommen in Sicht.

Zurest denke ich, der Campingplatz hat geschlossen.  Aber ein junger Mann ruft dort an und reserviert für mich eine Übernachtung. Abends gehe ich in der Pizzeria auf dem Platz essen, denn zum Kochen habe ich heute keine Lust.


Morgen geht es am Ufer des Comersees entlang. Mal schauen, wie weit ich komme.


Tagesdaten: 103 km/6 Stunden Zeit in Fahrt/554 m Anstieg und 251m Abstieg.




Freitag, den 19.06.2026: Von Montorfano bis Domaso.

Frühstücken draußen bei dem Wetter, einfach grandios. Vom Campingplatz kann ich es laufen lassen, denn es geht runter zum See.

Der Comer Dom ist auch kaum zu übersehen.

Ein Radbild vor gewaltiger Kulisse.

Eine der Traumstraßen, die mit ihren tollen Ausblicken dich ganz in ihren Bann ziehen können.

Dazu die kleinen Ortschaften wie gemalt.

Da vorne finde ich einen schattigen Pausenplatz und ein Wiener Paar, welches sich für meine Reise interessiert, macht das Foto.

Die folgenden 20 Kilometer sind gespickt mit vielen Tunneln, die man aber auf den alten Straßen umfahren kann.

Auf der Suche nach einem geeigneten Campingplatz habe ich die Qual der Wahl. Aber als ich das Schild „Camping Villa Carolina“ sehe, weiß ich: Hier bin ich richtig. Mein Zelt steht zwischen Hütte und Wohnmobil, links im Bild.


Morgen kommt die erste richtige Bergetappe. Ich freue mich darauf.


Tagesdaten: 64 km/4:20 Std. Zeit in Fahrt/446 m Anstieg und 596 m Abstieg.





Samstag, den 20.06.2026: Von Domaso nach Campodolcino, das wird ein hartes Stück Arbeit.

Bevor die Sonne es über die Berge geschafft hat, habe ich den See mit der morgendlichen Stimmung festgehalten.

Der Lago di Mezzola sieht bei dem Licht mystisch aus.

Nach 30 km sehe ich das Schild Splügen Pass.

Nach den ersten Spitzkehren brauche ich eine Pause. Das kalte Wasser aus dem Brunnen schmeckt besser als der beste Wein. Jetzt kommt das kräfteraubende Stück der Strecke. Den kleinsten Gang und dann am Limit sagt schon alles, aber ich kann noch alles fahren.

Der See von Campodolcino. Jetzt sind es nur noch 2,5 km bis zum gleichnamigen Campingplatz.

Den Platz habe ich noch in guter Erinnerung von der Italien-Tour mit Gabi. So buche ich zwei Nächte.


Morgen ist Ausruhen und Kräfte sammeln angesagt.


Tagesdaten: 46 km/4:30 Std. Zeit in Fahrt/967 m Anstieg bewältigt und 127m Abstieg. Aktuelle Höhe: 1021 m ü. NN.






Sonntag, den 21.06. 2026    Beine hoch und Gott einen guten Mann sein lassen.


Gestern war hier Rambazamba, wie anscheinend jeden Samstagabend. Da ist ein junger Mann mit guter Stimme, der meist zu den Songs, die er auflegt, mitsingt, und die Gäste tun es auch. Natürlich nur italienische Lieder, bis auf einen Song von Gianna Nannini kannte ich da keinen von. Der Platz wird auch vorwiegend von Dauercampern genutzt, aber ab und zu kommt da noch mal ein Radfahrer wie ich, der den Platz als Zwischenstation nutzt, um über den Berg zu kommen. Es war lustig, und gegen 19:00 Uhr habe ich mir erst mal eine Pizza inhaliert, sonst hätte ich den Abend nicht überstanden.

Um acht Uhr habe ich den Frühstückstisch gedeckt. Nach dem Frühstück noch ein paar Kleidungsstücke auswaschen, das war’s aber schon mit der Arbeit.

In die Stadt radele ich noch, um ein paar Grundnahrungsmittel einzukaufen. Wie Brot, und Wein.

Dann geht es auch wieder zurück zum Platz.

Hier fängt die Tagesetappe morgen früh an. Noch mal gute 1000 Höhenmeter auf 20 km Strecke sind  zu bewältigen.
Und trotzdem freue ich mich darauf.





Montag, den 22.06.2026: Von Campodolcino über den Splügenpass nach Splügen in der Schweiz.


Ich kann es kaum erwarten, dass die Nacht um ist, so heiß bin ich auf die heutige Herausforderung.
Um 6 Uhr 30 entsorge ich den Müll und pedale zurück zum Ort, um auf die alte Passstraße SS 36 zu gelangen. Sie ist gesperrt für PKW mit Anhänger, Wohnmobile, Busse und LKW.
Diese Fahrzeuge müssen über den Bypass, der nach 5,3 km in die SS36 mündet.

Es geht gleich mit einer Galerie zur Sache und etlichen Spitzkehren folgen. Ich bin schon einige Alpenpässe gefahren, dieser ist zweifelsfrei der Schönste, von den Aussichten aber einer der Höchsten und Steilsten. Aber einfach kann ja jeder.

Rechts geht es zum Skigebiet

Ist das nicht ein grandioses Panorama? Ein Foto kann immer nur einen Moment und einen kleinen Ausschnitt des Ganzen festhalten, gut für  deine Erinnerung, denn die Bilder sind im Kopf.

Immer wieder kommen Galerien, die zu durchfahren sind. Im Gegensatz zum Tunnel ist die Luft besser und die Geräuschentwicklung ist lange nicht so stark wie bei Tunnelfahrten.

Der Lago di Montespiluga kommt in Sicht und die ebene Passage am See entlang bringt den Beinen eine kurze Erleichterung, denn die letzte Steigung zum Pass, hat es noch mal in Sich.

Nach 3 Stunden und 10 Minuten Fahrzeit, 51 Spitzkehren, stehe ich unter dem Schild Splügen Pass und bin happy. Auf der Fahrt habe ich so oft an Gabi gedacht, was sie da für eine Leistung gebracht hat. Das macht ihr so schnell keiner nach.

Mein treuer Begleiter

Über eine Serpentinenstraße vom Feinsten, geht es runter nach Splügen im Kanton Graubünden in der Schweiz. 

Genau wie beim letzten Besuch hier, kaufe ich im ersten Laden im Dorf ein und pedale zum Camping „Auf dem Sand“, einem schönen Platz.
Morgen kommt eine Kurzetappe nach Chur und es geht meist Berg ab.

Tagesdaten: 28 km/3:45 Std. Zeit in Fahrt/1032 m Anstieg und 553m Abstieg




Dienstag, 23.06.2026: Von Splügen nach Chur eine abwechslungsreiche Strecke.


Da die Strecke, kurz und die Tendenz bergab ist. Lasse ich mir mehr Zeit heute Morgen, in Splügen weht noch eine frische Brise, als ich um kurz vor neun Uhr den Riemen auf die Orgel scheiße.

Der Hinterrhein See

Der Hinterrhein – ein wilder Gebirgsbach

Einige ruhige, kleine, verschlafene Ortschaften

Die Viamala Schlucht

Blick hinunter in die Schlucht, wo man sieht, was für Kräfte über Jahrtausende diese Schlucht geformt haben.

Zwischendurch auch mal plattes Land.

Der Radweg No. 6, dem ich schon von heute Morgen an folge, schickt mich noch mal hoch in den Wald, von wo ich nun einen schönen Ausblick auf das, an der Stelle, sehr enge Rheintal habe.

Bevor ich auf den Campingplatz fahre, kaufe ich die fehlenden Lebensmittel ein. Komisch ist: Wein fehlt fast immer.


Morgen möchte ich bis in meine zweite Heimat kommen, nach Österreich.


Tagesdaten: 55 km/3:20 Std. Zeit in Fahrt/294 m Anstieg und 1121m Abstieg.



Mittwoch, 24.06.2026: Von Chur nach Bregenz


Heute hat noch eine bekannte Persönlichkeit, Lionel Messi, Geburtstag.
Ich beginne meinen Radtag um 7 Uhr, nachdem ich mit meinem Lieblingssohn Ingo telefoniert habe. Er ist der erste Gratulant heute Morgen, was mich natürlich sehr freut.

Bei blauem, wolkenlosem Himmel trifft alter Rheinländer auf jungen Rhein.

Jetzt befinde ich mich auf dem Rheinradweg Nr. 2. Meist verläuft er zwischen Autobahn und Rhein. Es gibt bestimmt schönere Strecken, aber keine schnellere zum Bodensee.

Die Berge werden flacher und das Fürstentum Liechtenstein lasse ich rechts liegen.

Jetzt bin ich in meiner zweiten Heimat Österreich, meine Mutter war eine Innsbruckerin.

Ein mit Holzschindeln verkleidetes Haus, was man heute nur noch selten sieht. In Bregenz frische ich meine Lebensmittel in einem Sparmarkt auf und bin überrascht, wie günstig es hier in Österreich ist.

Die Bregenzer Ache mündet in das Schwabenmeer, den Bodensee

Einen schönen schattigen Platz suche ich mir aus.  Auf dem Seecamping Bregens war ich mit Gabi auch schon.

Morgen fahre ich bis zum Camping Chachenhorn, Ludwighafen-Bodman.


Tagesdaten: 93 km/4:50 Std. Zeit in Fahrt/215 m Anstieg und 357m Abstieg.