Juni 2026 Tunesien










Montag, den 01.06.2026: Von Gabes nach Matmata

Ein freundlicher Mitarbeiter vom Hotel Houda verabschiedet mich und ich beginne den ersten Tag der Woche und des Monats mit einer ganz besonderen Tagesetappe.

Die Berge rücken näher.

Bei meiner Café-Ole-Pause. „ he sette die, die immer he sette“

Kaum zu glauben, wie schnell sich die Landschaft total ändert.

Kurz vor dem Ziel.


Ein Stück weiter kommt mir Ahmed auf seinem Moped entgegen. Er bietet mir an: ein Hotelzimmer in Matmata mit eigenem Bad, AC, Wi-Fi, Abendessen und Frühstück für 80 Dinar= 23,60 €. Das ist unschlagbar.

Sie zeigt auf mich und sagt: Du warst doch im Mai 2002 schon mal hier.

Das Hotel und Restaurant Les Troglodytes ist meine Unterkunft.

Blick vom Balkon. Nach einer Rast und als die Mittagshitze nachlässt, mache ich mich auf die Suche nach den Höhlenwohnungen und werde schnell fündig.

Unzählige Höhlenwohnungen gibt es hier noch, die meist noch als Viehställe genutzt werden. Ein paar sind etwas folkloristisch für die Touristen hergerichtet.



INFO:
Südöstlich von Chott el-Jerid dominieren die Matmata-Berge die weite Ebene von Djeffara.


Das Dorf Matmata liegt vierzig Kilometer südwestlich von Gabès. Es schmiegt sich in 600 Metern Höhe an den Berghang und zählt ca. 4.500 Einwohner. Bekannt ist es für seine bemerkenswerten Höhlenwohnungen, die es zu einem der Höhepunkte des tunesischen Tourismus machen. 

Es handelt sich um in den Berghang gegrabene Behausungen um einen großen, meist kreisförmigen Brunnen. Um diesen Brunnen, der den Innenhof der Behausung bildet, sind die Räume längs und terrassenförmig angelegt. Die untere Ebene dient als Schlafzimmer, Küche, Schafstall für Ziegen und Stallungen, während die obere Ebene der Lagerung  von Getreide, Datteln, Oliven und getrockneten Feigen vorbehalten ist.

In dieser Region, die mehrere Monate im Jahr von intensiven Hitzewellen heimgesucht wird, ermöglicht diese besondere Bauweise, dass Licht in die unterirdischen Räume eindringt und gleichzeitig während der heißesten Sommermonate für angenehme Kühle sorgt. Obwohl die Innentemperatur dieser Behausungen, ähnlich wie in einer Höhle, nicht das ganze Jahr über konstant ist, sind die Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer recht gering: etwa 15 Grad Celsius im Januar und 23 bis 25 Grad Celsius im Juli.


Morgen stehen 102 km auf dem Plan, von Matmata nach Douze, darum werde ich in kühlen Morgenstunden starten.


Tagesdaten: 43 km/3:25 Std. Zeit in Fahrt/472 m Anstieg und 117 m Abstieg.




Dienstag, den 02.06. 2026 von Matmata nach Douz.

Heute hat mein Freund Angelo Geburtstag.
Da 100 km vor mir liegen, steige ich schon um sechs Uhr in den Sattel, bei noch angenehmen Temperaturen.

Am frühen Morgen ist das Licht noch weicher.


Nach intensiver Kurbelarbeit erreiche ich um kurz nach sieben Uhr, den einzigen Ort auf der Strecke, Tamezret, der auch der höchste Punkt der heutigen Etappe darstellt. Danach geht es sanft ins Tal.

Blick ins Tal

Es wäre dumm, nicht jede Möglichkeit zu nutzen, vor der Hitze in den kühlenden Schatten zu fliehen.

Das ist das Oasenteam, sie sind zuständig für heißen Kaffee und kühle Getränke. Mein zweites Frühstück nehme ich auch hier zu mir. Gestärkt und die Körpertemperatur auf normal gekühlt geht es weiter.

Die Wüste ist öde und leer.

Aus der flimmernden Hitze taucht mein Lichtblick des Tages auf. Es ist Shima aus dem Iran. Sie ist die erste Langdistanz-Bikerin, die ich bis jetzt in Nordafrika getroffen habe. Sie will nach Matmata, sagt sie mir, da bist du aber spät dran, Mädel.

Dünen sollen die Straße sandfrei halten.

Das Hotel hatte ich mir gestern als Favorit bei Google herausgesucht und ich bin begeistert, als ich mein Zimmer sehe. 

Mit eigenem Bad, AC, und stabilem Wi-Fi, was will man mehr? Die Übernachtung schlägt mit 45,– Dinar zu Buche. 

Bei der Post gibt es frische Dinar aus dem Geldautomaten. Essen gehen und dann noch den Report von heute schreiben, dann ist Feierabend.


INFO
Douz ist eine Oasenstadt im Süden Tunesiens mit etwa 30.000 Einwohnern. Sie liegt 30 Kilometer südlich von Kebili im Nefzaoua-Oasengebiet südlich des Salzsees Chott el Djerid. Aufgrund ihrer Lage am Rand des Grand Erg Oriental ist die Stadt als „Tor zur Sahara“ bekannt.


Tagesdaten: 103 km/7:00 Std. Zeit in Fahrt/250 m Anstieg und 400 m Abstieg.




Mittwoch, den 03.06.2026: Ruhetag in Douz. Heute hat Jan Keller Geburtstag.


Dous die Stadt am Rande der Sahara gefällt mir und da ich sehr gut im Zeitplan liege, bleibe ich noch einen Tag hier.

Nachdem die Schmutzwäsche auf der Leine hängt, mache ich mich auf den Weg zum Sahara Museum.

Das ist das Mohamet Marzouki Kulturzentrum, fast hätte ich es mit dem Museum verwechselt.

Gleich nebenan bin ich richtig. Nachdem ich den 5-Dinar-Obolus entrichtet habe, kann ich mir ganz in Ruhe die Ausstellung ansehen, ich bin ganz alleine hier. Ich formuliere es mal so: Das Museum ist sehr übersichtlich. Da habe ich mehr Zeit auf dem Marktplatz, mich umzusehen.

Hier finde ich Postkarten, wo ich schon eine Weile nach Ausschau halte. Briefmarken bekomme ich auf der Post. Jetzt brauche ich nur noch Brot, da frage ich mich durch, bis ich an den jungen Mann gerate, der den kleinsten Elektrogroßhandel in Douz betreibt. So wie früher Küsters Heinz aus Dülken.

Der Küsters Heinz von Douz. Er schwingt sich auf sein Moped und holt mir aus der Bäckerei zwei Baguettes und schenkt sie mir.

Morgen werde ich über die Oasen am Rande des Chott el-Jerid (ein Salzsee) entlang, zur Stadt Kebili fahren. Morgen werde ich auch wieder früh starten, denn in der Mittagszeit sind es 40 Grad hier im Moment.




Donnerstag, den 04.06.2026: Von Douz über die Oasen am Chott el-Jerid entlang nach Kebili


Heute ist Fronleichnam, da fällt mir ein, ich habe meine Brückentage nicht eingetragen, was Nun?
Um 7 Uhr 15 verlasse ich die Unterkunft und habe Nouil in mein Navi eingegeben. Douz habe ich gerade hinter mir gelassen, finde ich mich wieder in einem Meer von Dattelpalmen.

Man schätzt die Anzahl der Dattelpalmen im Raum Douz auf 200 000–300 000 Dattelpalmen der berühmten Sorte Deglet Nour.

Am Rande der Sahara, das wird einem schnell klar, wenn man die Strecke fährt.

Eines der wenigen Dörfer auf der Strecke.

Ein Ausläufer des Chott el-Jerid

Der im Sommer austrocknet und zum Salzsee wird.

Ein Dölkerdutzend Kilometer vor der Stadt Kebili. Die Lage hat sich geändert. Wenn mich, zum Anfang des Tages der Rückenwind mit 30 km/h über die Straße blies, kommt der Wind nun von vorne rechts und ich krieche mit 6 km/h über den Asphalt.

Um halb zwölf kommt mein Ziel in Sicht und das Hotel Kitam ist auch schnell gefunden. Die haben ausgebucht, wie mir ein junger Mann sagt. Das Hotel sieht auch nicht gerade einladend aus. Der junge Mann winkt ein Taxi heran, gibt ihm 3 Dinar, der soll mich zu einem Hotel lotsen. Das Hotel Autruches liegt am Rande der Wüste. Das war mal früher eine Touristenunterkunft der Extraklasse mit Pool und allem Schickimicki und jetzt ein wenig in die Jahre gekommen. Für mich ist das mehr als okay.

Mein Apartment für heute. Hier soll es auch noch eine Bar geben.


Morgen geht es über den Chott el-Jerid nach Tozeure.


Tagesdaten: 55 km/4:20 Std. Zeit in Fahrt/155 m An- und Abstieg



Freitag, den 05.06.2026    Von Kebili nach Tozeure


Nachtrag zu gestern: Diese abgehalfterten Touristenhotels haben die Lizenz Alkohol auszuschenken. Zwei Bier habe ich mir getrunken aber etwas Essbares wurde nicht angeboten. Also binde ich mir die Küchen Schürze um und koche mir an meinem Einflammen Herd, ein Reisgericht mit einer Thunfisch-Soße.

Echt lecker

Eingang zum Hotel

Der Startschuss für die heutige Etappe fällt um 6 Uhr 08

Das Tor zur Wüste

Mein Freund der Rückenwind ist mit von der Partie und an den Tagesdaten kann man das gut ablesen.

Das Chott el-Jerid bestimmt das Landschaftsbild


INFO:
Der Chott el-Jerid erstreckt sich fast hundert Kilometer von Osten nach Westen und geht an seiner Ostspitze in den Chott el-Fejaj über. Entlang einer Ost-West-Achse zwischen Nefta im Westen und El Hamma im Osten bedeckt das gesamte System fast die gesamte Breite des südlichen Tunesiens, zwischen dem Golf von Gabès und der algerischen Grenze, die jeweils etwa zwanzig Kilometer vom Chott entfernt liegen.

Was für die Touristen. Auf der anderen Seite ist ein Verkaufsstand wo man Salz und Wüstenrosen erwerben kann.

Der Salzsee


Nach 75Km ist die Querung des Chott beendet. In Tozeur angekommen, halte ich mich an die Beschilderung Medina und direkt das erste Hotel, an der Medina gelegen passt für mich ausgezeichnet, und ich buche für zwei Übernachtungen.

Blick von meinem Balkon in den Innenhof vom Hotel Dar Ghaouar was auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Morgen, nach dem ich gefrühstückt habe, werde ich mir die Medina anschauen.


Tagesdaten:  95 Km / 4:40 Std. Zeit in Fahrt / 177 m Anstieg und 202 m Abstieg.




06.06. 2026     Besichtigung der Oasenstadt Tozeur.  Heute hat Hanni, meine große Liebe, Geburtstag.


Am 10. und 11.05.2002 war ich schon einmal hier in Tozeur und ich muss sagen: Ein Monat früher ist schon die bessere Zeit hier in der Gegend. Jetzt ist es in der Mittagszeit einfach zu heiß, um was zu unternehmen. Auch ist das Zelten keine gute Option bei den Temperaturen.
Darum schaue ich mir die Medina direkt nach dem Frühstück an.


INFO:
Tozeur, das römische Tusurs, ist eine Stadt im südlichen Tunesien mit ca. 47.000 Einwohnern. Die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements bildet das Zentrum der Region "Land der Dattelpalmen"
Hier ein paar Schnappschüsse aus der Stadt

Das Tor zur Altstadt

In der Medina

Die Stadt ist bekannt für ihre Klinkertechnik

Durch die Ornamentik,  sodass Klinkerelemente vor und zurückstehen, entsteht eine Beschattung der Fassade.

Ein beschatteter Laubengang

Eine der vielen Moscheen

Eine schön dekorierte Gasse

Ich habe gelesen, man sollte eine Kutschfahrt oder einen Spaziergang durch die Oasengärten machen. Ist bestimmt schön, wenn man die müllfreien Wege kennt.


Am Abend werde ich mir Pasta à la Torzeur zubereiten. Die Zutaten habe ich heute Morgen auf dem Markt eingekauft. Dazu ein kühles Bier, da freue ich mich schon drauf.


Morgen möchte ich es bis zur Oasenstadt Gafsa schaffen.



Nachtrag zu Gestern:
Erstens kommt es anders und zweitens als du denkst.
Gestern Nachmittag, gerade habe ich den Tagesreport an Ingo geschickt, da kommt mir der Gedanke, die Strecke von Tozeur bis nach Kairouan mit dem Bus zurückzulegen. Bei Tante Google schaue ich nach, wo hier der Busbahnhof ist, und mache mich auf den Weg dahin. Dort finde ich auch einen Mitarbeiter, der Englisch spricht und mir die Einzelheiten erklärt. 8:00 Uhr ist Abfahrt. Eine halbe Stunde soll ich vorher da sein. 20,800 Dinar kostet das Ticket,  10,000 das Fahrrad und 5,000 für das Gepäck. Die Fahrt dauert ca. 5 Stunden. Jetzt bin ich mal gespannt, wie das morgen klappt.

Sonntag, den 07.06.2026: Von Tozeur mit dem Bus nach Kairouan

Um sieben Uhr verlasse ich das Hotel Ghaouar und radele rüber zum Busbahnhof. Es klappt alles wie gestern besprochen, auch wenn der junge Mann, der Englisch sprach, nicht da war.

Der Ticketschalter. Das Rad habe ich zum Verstauen vorbereitet. Alle Gepäcktaschen abnehmen, Sattel mit Stütze ab, Vorderrad raus und Lenker querstellen.


Alles ist verstaut und ein paar Minuten nach acht Uhr  geht die Fahrt los.

Der starke Wind kommt von vorne rechts, juckt mich aber heute nicht.

Ein deutsches Nummernschild

Der Bus und sein Pilot.


Pünktlich nach ca. 5 Stunden erreichen wir das Busterminal in Kairouan. Ausladen und schauen, dass ich meine Sachen zusammenhabe, denn der Bus fährt direkt weiter nach Tunis. In der Altstadt unweit der Stadtmauer finde ich im zweiten Anlauf, ein Hotel für mich.

Blick aus meinem Fenster


Morgen werde ich mir die Stadt anschauen, habe schon einiges darüber gelesen.

Tagesdaten: 294 km/4:30 Std. Zeit in Fahrt/1189 m Anstieg und 1198 m Abstieg mit dem Bus.

Mit dem Fahrrad: 8 km/0:45 Std. Zeit in Fahrt.




Montag, den 08.06.2026: Besichtigung Kairouan


INFO:
Kairouan ist bekannt für ihre reiche Geschichte und kulturelle Bedeutung. Sie wurde im Jahr 670 n. Chr. gegründet und gilt als eine der ältesten islamischen Städte Nordafrikas. Die Stadt ist ein bedeutendes Zentrum für Religion und Bildung und spielt eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Islams in Nordafrika. Kairouan ist bekannt für seine Große Moschee, die als eines der wichtigsten Heiligtümer des Islams nach Mekka, Medina und Jerusalem angesehen wird. Die Stadt hat sich zu einem kulturellen Schmelztiegel entwickelt, in dem arabische, berberische und mediterrane Einflüsse zusammenkamen.

Heute ist Kairouan UNESCO-Weltkulturerbe und zieht viele Besucher an.

In der Medina

Die Gasse der Schneider

Tür und Tor

Die Moschee der drei Türen

Der alte Friedhof neben der großen Moschee

Die große Moschee von Kairouan

Der Innenhof

Der Gebetsraum

Säulengang

Ein Ort, der zum Meditieren einlädt.


Morgen möchte ich mit dem Fahrrad bis zur Stadt Hammamet radeln, worauf ich mich jetzt schon freue. Ein schöner Ort, der direkt am Meer liegt und wo ich schon auf der Fahrt in den Süden übernachtete.