Mai 2026 Algerien 









Freitag, den 01.05.2026


Bis heute Morgen um sechs habe ich so tief und fest geschlafen wie ein Stein. Um sieben schäle ich mich aus dem Bett, um Frühstück zu machen. Für heute habe ich mir einen leichten Spaziergang bis in die Altstadt vorgenommen, laut Google Maps 5 km.

Der Eingang von meinem Motel OASIS – eine gute Wahl, die ich da getroffen habe.

Einer der Flussläufe (Qued), die nur nach Regen Wasser führen.

Der Qued Maitor. Er müsste eigentlich Qued Müll heißen. Generell ist der Müll ein dickes Problem, das die Algerier dahaben. Aber wie oft in solchen Ländern funktioniert die Müllentsorgung nicht und sie vergiften sich selber. Kein erhobener Zeigefinger, denn wie würde es bei uns in Deutschland aussehen, wenn es das Entsorgungssystem nicht gäbe?

In der Altstadt angekommen gehe ich erst mal ins Café Bayern München. Ja, fußballverrückt sind die Algerier schon. Nicht nur die Bayern kennt man hier, sondern auch die beiden Borussen Teams. Mich hat man unterwegs auf meinem Fahrrad mit den Farben Gelb schwarz (auf die Borussia-Dortmund-Vereinsfarben) angesprochen.

Frisches Gemüse wird hier verkauft.

Algerien ist das Land der Katzen, das hatten Wolfgang und ich schon in Algier festgestellt.

Die Altstadt mit einer ihrer zahlreichen Moscheen. So wie es früher bei uns  auf dem Land war, so ist auch hier der Friedhof nicht weit von der Moschee entfernt.

Dann mache ich mich auf den Heimweg. Zurück im Hotel buche ich die drei Übernachtungen bis Montag, den 4. Mai, dann geht es weiter. Für morgen plane ich eine Besichtigungstour in der näheren Umgebung. Die Schmutzwäsche konnte ich zum Waschen an der Rezeption abgeben und die Kleinteile hängen schon zum Trocknen auf der Leine.





Samstag, den 02.05.2026: Besichtigung der El-Hamel-Moschee mit Klosteranlage, die von den Anhängern des Sufismus  genutzt wird, ca. 17 km südlich von Bou Saada gelegen.


Wie gestern Nachmittag vereinbart stehe ich um 10 Uhr an der Rezeption und zur Besichtigungstour bereit. Nur davon scheint das Morgen-Team hinter dem Tresen nichts zu wissen. Jetzt wird hektisch telefoniert und eine Stunde später kommt ein Guide mit Fahrer und es kann losgehen. Dass keiner Englisch spricht, ist mir jetzt auch egal. Dann läuft die Unterhaltung oder die Informationen über den Translator. Nur kein Stress, ich habe Urlaub. Ich steige in den Land Rover und los geht es.

Die Stadt El Hamel

Auf dem Weg zur Moschee

Enge verwinkelte Gassen

Eingangstür zur Moschee

In der Moschee

Die Gebetszeiten sind hier aufgelistet

Der Imam hat hier seinen Platz


Kaum zu glauben, der Feigenbaum soll 200 Jahre alt sein, wird mir versichert.

Süße Blüten, die habe ich probiert.

Die Architekten hatten den Bogen raus

Sehr schöner Torbogen über der Ausfahrt der Moschee, wo auch der Land Rover auf mich wartet.


Nun geht die Fahrt zurück nach Bou Saada, die Moulin Ferrero sind unser Ziel. Davon werde ich morgen berichten. Der morgige Tag ist der letzte hier in Bou Saada und ein paar Dinge sind noch zu erledigen.




Sonntag, den 03.05.2026: Letzter Tag hier vor Ort
Besichtigung Teil 2.

Schöne Aussicht auf die Stadt Bou Saada

Moulin Ferrero oder die Ruine, die übrig blieb nach dem Hochwasser.


Sie befindet sich 2 km vom Stadtzentrum von Bou Saada entfernt und ist eine alte Mühle, die einem gewissen Ferrero gehörte. Antoine Ferrero, ein Italiener, der am 28. September 1849 in Carona (Turin) geboren wurde, wanderte 1867 nach Algerien aus. Er war in verschiedenen Mühlen beschäftigt und gründete für die örtliche Müllerei die Ferrero-Mühle. Von der Mühle sind heute nur noch Ruinen übrig, da das Bauwerk 1975 von einem Hochwasser des Wadi weggespült wurde. Nichtsdestotrotz ist der Ort hübsch und in der Wüstenlandschaft sehr fotogen. Es ist ein sehr schöner Ort, um zu wandern und auch die Wasserfälle in der Nähe zu entdecken.

Viel ist von der Wassermühle nicht stehen geblieben.

Der Wasserfall

Ein paar schöne Fotomotive




Georges Bou Saada

Den Bou Saada Canyon fahren wir noch ein Stück entlang.


Heute nehme ich mir mein Rad vor. Eine gründliche Reinigung ist vonnöten, und eine kleine Inspektion mache ich gleich mit. Zu Mittag koche ich ein Nudelgericht, denn so etwas gibt es hier in keinem Restaurant. Die Wäsche habe ich zurückbekommen. Dann steht dem Start morgen früh um sechs Uhr nichts mehr im Wege. Da die nächsten Betten stehen in der Stadt Barika, 130 km entfernt. Darum will ich so früh wie möglich auf die Straße. Mal schauen, was die Polizei macht. Werde ich weiter begleitet? Da warte ich mal ab und halte mich still.




Montag, den 04.05.2026, von Bou Saada bis Barika.


Meine jüngste Schwester Gabi, mit der ich schon so manche Tour auf unserem Globus gefahren bin, ist jetzt auf dem Maas-Radweg unterwegs, hoch bis zur Quelle. Wenn ihr sie seht, grüßt sie ganz herzlich von mir.
Heute lege ich einen Bilderbuchstart hin. Um 6:00 Uhr verlasse ich Bou Saada in nördlicher Richtung. Die Polizei hat sich nicht blicken lassen. Erst nach 43 km an einem Kontrollpunkt werde ich registriert, bekomme Kaffee, Wasser und eine Warnweste geschenkt und darf nach einer halben Stunde alleine weiterfahren. Nachdem die Sonne sich die Vorherrschaft am Himmel erobert hat, lohnt es sich von den Lichtverhältnissen, Fotos zu machen.

Die Wüste blüht. Was in ein paar Wochen vertrocknet und verdorrt ist, steht jetzt in voller Blütenpracht.

Die Blüten

Fast den ganzen Tag radle ich am Südufer des Chott El Hodna entlang. Er ist mit seinen ca. 80 km Länge und 16 km Breite der zweitgrößte See Algeriens.

Wo er austrocknet, wird er zum Salzsee.

Meine nächsten Ziele.

„ Gabi Hundert „

Ein Prachtstück.

Das Hotel Messaoui Barika erreiche ich um 15Uhr30. Hier buche ich zwei Übernachtungen und schaue mir morgen die Stadt an.

Dieses Restaurant ist eine Empfehlung vom Hotel. Das Essen war sehr gut und echt lecker.


Tagesdaten: 137 km/8:15 Std. Zeit in Fahrt/259 m Anstieg und 304 m Abstieg




Dienstag, den 05.05.2026: Besichtigung der Stadt Barika.


Heute Morgen spüre ich noch die 137 km in den alten Knochen. Also tut der Besichtigungstag ganz gut. In der Planungsphase hatte ich den Tag auch schon eingeplant, um mal Einblick zu gewinnen in den Alltag einer algerischen Kleinstadt.
Barika ist eine Stadt im Nordosten Algeriens, in der Provinz Batna nahe dem Aurès-Gebirge. Bekannt für ihre strategische Lage an historischen Handelsrouten, dient sie als regionales Zentrum der Landwirtschaft, insbesondere des Oliven- und Getreideanbaus. Die Wirtschaft der Stadt profitiert von der Nähe zu Batna, der Provinzhauptstadt, und ihrer Rolle als Transitpunkt zwischen der Sahara im Süden und der Küste im Norden. Hier ein paar Fotos vom Spaziergang durch die Stadt.

Auf der Straße

Gemüse Stand

Blütenpracht in einer Nebenstraße.

Schöner Innenhof

Graffiti

Es gibt sie auch hier, die Müllmänner

Dattelstand, die habe ich nach Möglichkeit auch immer dabei. Sie schmecken gut und sind sehr nahrhaft.

Bei uns würde man sagen: „en Kaffeebut“. Hier gibt es die kleinen Cafés an jeder Ecke. Der Kaffee ist klein, schwarz, stark und wird hier aus kleinen Pappbechern geschlürft.


Zurück im Hotel sagt man mir, dass die Polizei wissen wollte, wann ich morgen weiterfahre. Ich habe mich auf 6 Uhr 30 festgelegt. Der Morgen ist es zum Radeln die beste und kühlste Zeit. Nachmittags klettert das Thermometer gerne mal auf oder über die 30-Grad-Marke. Die Länge der Strecke Barika nach Batna beträgt 81 km und es geht langsam wieder ins Hochland.
Ich freue mich darauf.




Mittwoch, den 06.05.2026    Von Barika nach Batna


Heute Morgen telefoniert der junge Mann sich die Finger wund, um einen von der Polizei an die Strippe zu bekommen. Bis er das satthat und zu Fuß zur nächsten Polizeistation geht. Er hatte gestern die Order bekommen, dass ich nur in Begleitung eines Polizisten das Hotel verlassen darf.
Derweil  bepacke ich das Rad und als er zurückkommt, kann ich endlich fahren. Am letzten Kreisverkehr verschwindet auch mein Begleitfahrzeug und ich werde auch an keinem Kontrollposten mehr kontrolliert: „Gott sei Dank.“

Vor dem Hotel links ist eine Konditorei, denn die Algerier essen gerne Süßes. Wo der Mann vorsteht, ist ein Wasserspender mit gekühltem Trinkwasser.

Als ich aus der Stadt bin, beginnt es leicht zu nieseln, sodass ich die leichte Regenjacke überziehe. Die Tendenz heute ist eindeutig: Es geht nach oben und am Ende des Tages werde ich mich auf 1092 Meter über dem Meeresspiegel wiederfinden.

Das Schlimme sind nicht die Steigungen, sondern der stark böige Gegenwind, der mich fast von der Straße weht. Dazu kommt, dass die Straße nur zweispurig ist, mit Gegenverkehr. Da ist kein Platz mehr für einen Radler. Ich habe heute mehr in die Rückspiegel geschaut als nach vorne. Das ändert sich erst, als ich auf die RN3 komme, die ohne Gegenverkehr eine Erleichterung bringt,

Eine Augenweide sind die Straßenränder. Üppig bewachsen mit Wildblumen aller Art.

Das Wettrennen mit dem Zug habe ich verloren.

Es tauchen schon die ersten Hochhaussiedlungen von Batna auf, das Ziel für heute. Im Hotel Salin frage ich nach dem Zimmerpreis. 7500,- Dir. Das ist mir doch ein wenig zu viel. Vom netten Herrn an der Rezeption bekomme ich aber einen Tipp. Gegenüber gibt es ein Motel, auch Residenz genannt, wo das Zimmer 1500,-Dir die Nacht kostet.

Ein Blick vom Balkon meiner heutigen Residenz


Für morgen steht eine kurze Tagestour nach Timgad an. Die archäologisch bedeutendste Ausgrabungsstätte in Algerien. Ich freue mich darauf und hoffe, auf gutes fotografier Wetter.


Tagesdaten: 84 km / 7:05 Std. Zeit in Fahrt / 763 m Anstieg und 159 m Abstieg / aktuelle Höhe 1092 m




Donnerstag, den 07.05.2026     Von Batna nach Timgad

Trotz der exponierten Lage der Residenz, direkt am Kreisverkehr, habe ich gut geschlafen und verabschiede mich um 7 Uhr 40 von meinem Gastgeber.

Den Störchen scheint das auch nichts auszumachen, auf dem Schild über der Straße ihr Nest zu bauen.

n dem letzten Ort vor Timgad ist Schlachtfest, denn mehrere Metzger haben die geschlachteten Schafe und Ziegen draußen hängen.

Um 10 Uhr 30 stehe ich vor dem Hostel.


In Timgad gibt es nur ein Touristenhotel (8.000 Dinar die Nacht) und eine Jugendherberge. Das wusste ich vorab. Dass aber morgen eine Jugendgruppe kommt und alle Betten belegt sind, das konnte ich nicht ahnen. Was bleibt mir übrig? Dann bleibe ich nur 1 Nacht hier und nicht zwei wie geplant. Ich ziehe mich um, mache meine Teepause und gehe zum Ticketschalter, der nur einen Steinwurf entfernt steht, und hole mir eine Eintrittskarte für das Museum und die Ausgrabungsstätte. Jetzt folgen ein paar Bilder, die ich ausgewählt habe. Leider fehlt da der blaue Himmel. Bin ich selber schuld, weil ich die Sonne zur Gabi nach Frankreich geschickt habe.

Das Theater

Markanter Bogen

Das Wahrzeichen von Timgad, der Trajansbogen, von Westen herkommend.

Von der Ostseite gesehen.

Der Weg runter zum Museum

Steinerne Zeugen

Mosaike, so fein gearbeitet wie ein Teppich

Einige erhaltene Wandmalereien bekomme ich noch zu sehen


Info:
Timgad liegt in der Provinz Batna und zählt zu den am besten erhaltenen römischen Ausgrabungsstätten der Welt. Die im 1. Jahrhundert n. Chr. von Kaiser Trajan gegründete antike Militärstadt zeugt vom städtebaulichen Genie des antiken Roms.
Die Stadt, die den Beinamen „Pompeji Nordafrikas“ trägt , bietet ein außergewöhnliches Eintauchen in die Geschichte zwischen gepflasterten Straßen, grandiosen Monumenten und perfekt ausgerichteten Ruinen.
Morgen werde ich leider weiter radeln und mir einen anderen Platz suchen zum Relaxen.


Tagesdaten: 37 Km / 2:50 Std. Zeit in Fahrt / 250 m Anstieg und 301 m Abstieg




Freitag, den 08.05.2026  Von Timgad nach Ain Fakroun


Info:
Der Freitag ist für Muslime der wichtigste Tag der Woche. Ein wöchentlicher Feiertag und Tag der gemeinschaftlichen Zusammenkunft. Der Höhepunkt ist das Freitagsgebet um die Mittagszeit.
Es ist 6 Uhr 50, als ich die Jugendherberge in Timgad verlasse. Schluss jetzt mit tote Steine gucken und rein ins pralle Leben hier in Algerien. Gestern Nachmittag und in der Nacht hat es noch geregnet und nun strahlt die Sonne von einem azurblauen Himmel herab. Seitdem ich hier in Algerien unterwegs bin, muss ich oft an Lami denken, den Algerier. Ein Stammgast bei Cornelißen Willi, der sich dort mit anderen zum Skatspielen traf. Wenn er gewonnen hatte, war sein Kommentar: „Muss ich kommen aus Wüste, um euch zu zeigen, wie man Skat spielt?“

Durch eindrucksvolle Landschaften radele ich

Ich befinde mich auf einer Hochebene, ca. 850m ü. NN. Kornfelder, soweit das Auge reicht

Auch die Störche scheinen genug Nahrung zu finden.

Gedenkstätten an den blutigen algerischen Befreiungskampf (1954–1962) sieht man häufig.

Von Yahia und Noah werde ich zu Kaffee und einem Teilchen eingeladen. Gestärkt und belebt geht es weiter.

Einfach schön, hier in die Pedale zu treten. Die Straße ist gut und es ist wenig Verkehr.

Die Algerier, an denen ich vorbeifahre, sind so blass im Gesicht.

Dem Ziel so nah.

Ein paar Minuten später checke ich ein ins Ourkis Hotel. 4000 – Dir = 25,65€

Über ein schönes Zimmer, weiße Bettwäsche und eine heiße Dusche darf ich mich freuen.


Nach dem Duschen sichte und bearbeite ich die heutigen Fotos, schreibe den Tagesbericht und buche über Booking.com eine Unterkunft für drei Nächte in Constantine. Mein morgiges Ziel, was wohl auch eins der Highlights der Tour sein wird.


Tagesdaten: 76 km / 4:40 Std. Zeit in Fahrt / 278m Anstieg und 387m Abstieg.