August 2022 Usbekistan


Montag den 01.08.2022
Um 8 Uhr beginnen wir den jetzt schon warmen Tag, mit einem Frühstück im Aufenthaltsraum. Walter möchte sich noch so einiges in Taschkent anschauen, darum macht er sich direkt danach auf den Weg. Ich lasse es was ruhiger angehen. Bisher konnte ich jeden Tag ein bisschen mehr und besser gehen. So auch heute. Gestern war ich schon stolz über zwei Runden um den Block, heute schaffe ich schon drei. Die schlimmsten Probleme bereitet mir eine heftige Prellung an meinem inneren rechten Oberschenkel. Aber es wird schon werden. Nachher werde ich nochmal ein bisschen Gymnastik machen und später noch eine Runde gehen. So ist mein Tagesablauf. Walters Ausflüge sind natürlich spannender. Aber da kann ich einfach noch nicht mithalten. Er wird sicher noch ein paar Sätze und Bilder zu seinem heutigen Tag ergänzen.
Wie Gabi schon geschrieben hat habe ich mir heute wieder ein Stück mehr von Tashkent angesehen.
Mit der Metro ist das auch gut zu machen.

Amir Temur der Nationalheld der Usbeken

Eins von zahlreichen Musen der Stadt. Wenn es mir zu heiß wird gehe ich in den Untergrund und schau mir die Metrostationen etwas genauer an.

Sie sind vielleicht nicht so spektakulär wie ihre Vorbilder in Moskau oder St.Petersburg aber immer noch ein Hingucker.

Im Detail steckt das Besondere.



Am  Morgen des 2 August, Gabi konnte die halbe Nacht vor lauter Schmerzen nicht schlafen, muss was geschehen. Die Ferndiagnose und Behandlungstipps aus der Heimat reichen nicht mehr. Im Internet hat sich meine Schwester die Adresse der Internationalen Clinic für Ausländer herausgesucht. Nach dem Frühstück bestellt unsere Pensionswirtin ein Taxi, welches uns in den Süden der Stadt bringt, wo sich die Clinic befindet. Der Gebäudekomplex ist abgesichert wie eine Festung, aber uns lässt man hinein und verfrachtet Gabi direkt in einen Rollstuhl.

Die Internationale Clinic

Der englischsprachige Arzt erklärt uns, nach einer Untersuchung des Oberschenkels, das dieser geöffnet und eine Dränage gelegt werden muss. Diese OP wird aber im  akfa MEDLINE gemacht.
Er macht einen Termin für 14:00 Uhr und erneut geht es mit dem Taxi in den Norden der Stadt. [Der Krankentransport hätte 300.000 som gekostet, das Taxi nur 30.000 som]
Durch meine Spaziergänge in der näheren Umgebung sehe ich schon bei der Anfahrt das die Clinic ganz in der Nähe vom Jahongir Hotel liegt. Zu Fuß eine Stunde hin und zurück brauche ich, um für Gabi ein paar Sachen zu holen. Der OP Termin ist für den frühen Abend angesetzt. Als ich später auf dem Zimmer bin ,kommt die erlösende Nachricht.

Die OP ist gut verlaufen.


Mittwoch den 03.08.
Nach dem Frühstück verpacke ich mein Fahrrad in den Radkarton. Nach Bananen  ,Joghurt und Kaffee gelüstet es Gabi,
Welche ich auf dem Weg zur Klinik einkaufe.

Die Klinik

Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Die Dränage muss noch bleiben bis das Wundsekret vollkommen abgelaufen ist.

Wieder auf den Beinen

Jetzt heißt es, sich in Geduld üben was nicht gerade unsere Disziplin ist.



Mittwoch den 04.08.2022

Da ich mit meinem Lieblingssohn Ingo vom 21.08.- 03.09.2022 einen Wanderurlaub geplant habe, muss ich viel Gehen, damit mein Bewegungsapparat nach den Prellungen wieder rund läuft.
Nach dem Frühstück, so gegen 9Uhr gehe ich bis zur Metrostation Tinchlik und fahre die blaue Strecke bis Alisher Novoi,steige um und fahr bis Maydoniwo ich wieder ans Tageslicht komme.

Stazion Maydoni

Von hier aus geht es auf Schusters Rappen wieder zurück zum Hotel, welches ich um 12Uhr erreiche.  Am frühen Nachmittag besuche ich meine Schwester. Aber davon und wie es ihr geht schreibt sie selber.

Hallo ihr lieben Radträumer, ich melde mich aus dem Krankenhaus. Heute morgen bin ich schon um 6 Uhr über den Flur gegangen. Ich soll mich möglich viel bewegen. Die Wunde ist schmerzfrei. Was mir noch Schmerzen bereitet, ist die rechte Hüfte, es zieht bis in die Leiste rein. Darum benutze ich gerne den Gehbock um mich abzustützen. Kurz nach 8 Uhr kommt das Frühstück.

Wie man sieht, sehr gesund

Ich versuche jede halbe Stunde zu gehen. Ab und an bekomme ich zwischen durch Infusionen mit Antibiotika. Nach dem Verbandwechsel bin ich sehr erleichtert. Die Wunde heilt prima, Schwellungen lassen nach, Rötung ist verschwunden. Morgen soll die Drainage raus und ich denke dann kann ich im Hostel schlafen. Bis dahin heißt es weiter fleißig trainieren

Walter besucht mich nach der Mittagszeit und wir können ein bisschen erzählen. Wir freuen uns jetzt beide auf Zuhause.



Freitag den 05.08.2022

Heute morgen kann ich endlich den kleinen Rucksack packen, weil der Arzt mir erlaubt ins Hotel zu gehen. Vorher bekomme ich aber noch eine Injektion mit Antibiotikum und ich muss noch warten bis der Verband gewechselt wird. Hier im "Akfa MEDLINE" werde ich wirklich bestens versorgt. Kann ich jedem empfehlen, der in Taschkent ärztliche Hilfe braucht. Um 14 Uhr kommt der Arzt, zieht die Drainage und verbindet das Bein wieder neu. Morgen Spätnachmittag werde ich mir dort nochmal den Verband wechseln lassen und eine Injektion mit Antibiotikum bekommen. Das muss dann halten bis ich Montag Zuhause bin. Walter ist natürlich an meiner Seite und wir fahren mit dem Taxi zum Hotel. Abends sind wir in unserer Stammkneipe zum Essen.



Samstag den 06.08.
Da ich Gabi erst nach 12:00 zum Verbinden in die Clinic begleiten kann, zieht mich mein Bewegungsdrang und meine Neugier in die Stadt. Den ganzen Tag im Hotel zu verbringen ist eine Qual für mich. So steige ich wieder in die Metro und erkunde einige schöne Stationen.

Auch heute bin ich wieder überrascht wie grün Tashkent ist. Man wandert meist im Schatten von einem Park zum andern.

Skulpturen und Denkmäler gibt es mindestens genauso viele.

Auf dem Weg zurück ins Hotel sehe ich in der Halle einer Autowerkstadt ein Wandbild welches sich als Schlussbild dieser Radreise eignen würde.


Um 12 Uhr fahren wir mit dem Taxi zur Klinik. Der Verbandwechsel ist kein Problem, die Wunde nässt noch stark. Dann frage ich nach der Antibiotika Injektion und es wird diskutiert. Hin und her, ja und nein. Bis ich, nachdem Walter das Medikament erstmal in der Apotheke kaufen musste, endlich die Injektion bekomme. Nach langem debattieren machen wir aus, dass ich morgen früh um 8 Uhr nochmal kommen kann. Dann gibt es nochmal eine Injektion und einen Verbandwechsel. Bin so froh, dass mein großer Bruder mich überall hinbegleitet. Erstmal mental und auch als körperliche Stütze, da ich noch stark gehbehindert bin. Im Hotel machen wir uns ein Müsli und nach einer Pause, verpacken wir meine Fahrradtaschen nebst Inhalt in die Transportsäcke. Wir freuen uns auf ein Abendessen im Old City Pub.




Sonntag den 07.08.2022

Wir bekommen schon um 7 Uhr Frühstück, weil wir um 8 Uhr in der Klinik sein sollen. Heute läuft alles reibungslos.  Das Taxi kommt pünktlich, wir fahren in der Klinik in den 6. Stock, und ich bekomme als erstes meine Antibiotikum Infusion. Zum Verbandwechsel muss der Arzt erst noch geweckt werden. Er sieht noch etwas verschlafen aus. Wie all die anderen Tage macht er seinen Job sehr gut.

Hinterher erklärt er mir mit Übersetzungsprogramm einiges zur Wunde. Der Heilungsprozess ist zufriedenstellend aber die Wunde braucht Zeit und ich brauche Geduld. Dann wünscht er uns noch alles gute für den Heimflug. Ein richtig feiner Kerl.
Den Rückweg treten wir zu Fuß an. Bis zur U-Bahn ist es nicht weit. Ich möchte ein bisschen Gehtraining haben.

Klappt schon ganz gut. Im Hotel angekommen ruhe ich mich erstmal ein wenig aus.


Ich geh noch mal in die Stadt die grüne Metro Linie erkunden.


Diese Station ist den Kosmonaut / innen gewidmet.

Am Abend gehen wir dann zum letzten mal in den Pub essen.

Am frühen Morgen des 08.08.um 5:45 Uhr soll die Maschine der Usbekistan Airways starten und uns nach Frankfurt bringen.




Montag den 08.08.2022

Das Taxi kommt pünktlich um 1:30 Uhr und nach einer halbstündigen Fahrt durch das nächtliche Tashkent erreichen wir den Flughafen. Dort einen Gepäckwagen zu ergattern ohne die Dienste eines Gepäckboy in Anspruch zu nehmen, ist fast unmöglich. Mir kommt der Helfer gerade recht, weil Gabi mit sich selbst genug zu tun hat. Später als der Check-in nach Frankfurt öffnet, bekommt Gabi einen für sie vom Reisebüro Eva Leppers reservierten Rollstuhl. Nach dem ich dann noch 1.668777 Som für das Fahrrad und 4 Kg Übergepäck geblecht habe, wird es komfortabel. Ein junger Mann schiebt den Rollstuhl mit Gabi und mir im Schlepptau durch die Pass- und Handgepäck Kontrolle, bis zum Bordingschalter. Von hier werden wie mit einem Spezialtransporter bis zur Maschine gebracht.

Mit dem Lift des Transporters werden wir und noch drei weitere Rollstuhlfahrer ins Flugzeug gehievt.
Nach 6 Stunden Flugzeit und unter lautem Beifall, berühren die Räder der Boeing die Landebahn des Frankfurter Flughafen.
Gabi fühlt sich gut und verlässt auf normalem Weg die Maschine.
Nach dem ich unser Gepäck auf zwei Wagen verladen haben können wir endlich in der Ankunftshalle Angelika und Werner in die Arme nehmen.

Als Überraschungsgäste sind Hendrik, der Sohn von Gabi mit Lebensgefährtin Lisa auch zur Begrüßung gekommen.
So endet die Central-Asien-Tour hier in Frankfurt. Wenn nicht dieser schreckliche Unfall gewesen wäre, hätten wir heute noch, entlang von Main und Rhein, die Heimreise angetreten.

Fazit: Es war eine sehr interessante aber auch anstrengende Tour. Durch die krankheitsbedingten Unterbrechungen und durch das ändern der Route, weil die Grenze von Tadschikistan zu Kirgistan geschlossen war und zum Schluss noch der Unfall in Kasachstan hat Mental uns alles abverlangt.