April 2019 Russland


Montag den 01.04.2019   Mozdok – Selenokumsk 131Km

Gut, dass ich gestern Abend noch die Konserven von den zwei Polizisten hatte, denn im Hotel gab es nichts zu essen trotz anfänglicher Zusage. Vom Radtag gibt es nicht allzu viel zu berichten, ebenes bis leicht hügeliges Terrain, wenig Autoverkehr und Äcker soweit das Auge reicht. Dank des neuen Garmin das Ingo mir zu Weihnachten geschenkt hat und wo ich auch die Russlandkarte draufhabe, kann ich ganz entspannt auch kleine Nebenstraßen fahren.

Der Truthahn Hirte 

Die Menschen hier sind sehr aufmerksam und hilfsbereit. Halte ich auf der Landstraße an, um mal zu trinken oder wie heute die Kette zu ölen, stoppt direkt der nächste Wagen und fragt ob er helfen kann. Auch ein Streifenwagen der Polizei hielt an und fragte nach.

Auf dem Hinweisschild steht das es noch 46 Km sind bis zu meinem Ziel der Ort Selenokumsk. Das kann ich auch entziffern, weil meine Russlandkarte von Reise know how Verlag jeden Ortsnamen doppelt beschriftet hat, in normalen Buchstaben und in kyrillischer Schrift.

Noch vier Kilometer und ich bin schon auf der Zielgeraden nach Selenokumsk, nur das der Ort noch 40 km entfernt ist.  

40 Kilometer schnurgerade aus, nur die Hügel bringen etwas Abwechslung. Auch die Strecke hat ein Ende und ich rolle vom letzten Hügel runter in den Ort.

Ein schöner Kirchenkomplex  

Weil ich ins Navi keine Adressen eingeben kann, versuche ich es mit der Koordinate vom Hotel und es klappt. Kurz vorher sehe ich noch einen Tante-Emma-Laden und ich kaufe ein paar Sachen ein. Dort treffe ich eine fast so hübsche wie neugierige junge Frau. Die will aber alles genau wissen und wir versuchen uns über die Smartphones Übersetzer App zu verständigen.

Auch so kommt man sich näher

Im Hotel Olymp sind sie alle nett freundlich und bemüht mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Nach einem vorzüglichen Abendmahl will ich bezahlen mit meinen Hundert Rubelscheinen, da ich noch nicht bei der Bank war. Diese habe ich zuhause bei meiner Bank bestellt, um auf dem Land Kleingeld zu haben, da man meist keine großen Scheine gewechselt werden können. Diese Scheine sind seit Januar 2019 nicht mehr gültig, konnten aber an jeder Bank bis gestern eingetauscht werden, erfahre ich hier. Ab heute nur noch bei der Zentralbank. Ich kann gottseidank mit VISA Card bezahlen aber was mache ich jetzt mit den fast 15.000 Rubel = 200,-€ Wenn einer von meinen Lesern eine Idee hat lasst es mich wissen.

Morgen muss ich zur Bank in Budjonowsk neues Geld abheben

Tagesdaten: 131 Km / 8:55 Std in Fahrt /382m Anstieg Und 394m Abstieg



Dienstag den 02.04.2019  Selenokumsk - Budjonnowsk

Heute vor neun Jahren fiel in Dülken meiner Heimatstadt der Startschuss zu meiner Radreise um die Welt. Heute stehen ca.126000 Kilometer auf meinem Tacho. Dabei sind mir 90 Länder unter die Reifen gekommen und die Tour geht noch weiter.

Da ich heute eine Kurzetappe von 57Km einlege lasse ich mir mal das Frühstück im Hotel servieren. Anschließend, das Rad ist beladen, verabschiedet sich der Chef von mir und schenkt mir zwei Flaschen Bier.

Die werde ich heute Abend auf sein wohl trinken   

So bin ich erst um 8:45Uhr auf der Hauptstraße der A 167 das Wetter ist  besch..scheiden, denn ein leichter Nieselregen verhindert dass es staubt. Im Ort sehe ich ein Fachgeschäft für Camping, Jagd und Anglerzubehör.

Da könnte man ja mal nachfragen, denke ich so, ob die Gaskartuschen haben.

Da habe ich das richtige Näschen gehabt. Es sind zwar nur 100g Kartuschen aber mit Außengewinde. Jetzt weiß ich dass es in Russland welche gibt und wo ich suchen muss.  

Auf der A167 ist viel Verkehr und nur wenige Kilometer ist ein Seitenstreifen vorhanden.  Da beide Fahrspuren schmal sind und ein Brummi von hinten mich an hupt, muss ich runter vom Asphalt in den Dreck. Die letzten Kilometer vor Budjonnowsk werde ich zum Wellenreiter. Die Straße fällt 12% hinab, steigt direkt wieder an und das geht so fünfmal hintereinander. Ein leichter Gegenwind rundet die Sache ab.

Um 13:00 Uhr beim Ortseingang von Budjonnowsk parke ich mein Norwid unter einem Vordach, um einen Schluck Tee zu trinken und den Rest vom Kotelett, das ich gestern Abend nicht mehr aufbekommen habe, auf zu essen. Eine halbe Stunde später stehe ich vor dem, ein wenig schlicht dekorierten Hotel Nevsky das ich mir im Internet rausgesucht habe. Morgen hoffe ich mal auf trockenes Wetter. Ich habe mir eine Nebenstrecke rausgesucht mit weniger Verkehr mal schauen ob ich da was zum Pennen finde. (Noch 220Km bis Elista)

Hotel mit Palmen und Kokosnüssen

Tagesdaten: 57 Km /4:25 Std / 224m Anstieg und 259 m Abstieg



Mittwoch den 03.04. Budjonnows – Kamennaja Tankstelle AZR Rosneft

Die großen Pfützen auf den Straßen lassen auf ergiebige Regenfälle in der Nacht schließen. Nach 13 Km kommt der Abzweig wo auch schon Elista ausgeschildert ist. Nach einer Stunde Kurbelei kommt die Sonne raus gepaart mit leichtem Gegenwind.

Wellenreiten in der Long Version wird mich den ganzen Tag begleiten

Auch hier auf Russlands Straßen sterben viele Menschen meist viel zu Jung.  

Um zehn Uhr und nach drei Stunden Fahrzeit, ist Pausenzeit angesagt, auf einer sonnenbeschienenen Bank an der Kirche von Petropaviovskoe. Gerade packe ich meine Frühstücksutensilien wieder zusammen da kommt ein Russisches WoMo Pärchen mit Kind und Parken vor der Kirche. Georg, Katherina und der kleine Philip wollen in die Türkei, da gibt es einiges zu erzählen. Die Beiden sprechen englisch so ist die Verständigung einfach.

Noch mal eine Rast lege ich bei Tageskilometer 93 ein. Es ist absehbar das ich heute Zelten werde so besorge ich mir Trinkwasser von Straßenbauarbeitern. In das nächste Waldstück wo ein Feldweg hinführt möchte ich, aber ich komme nur ein paar Meter, dann versinke ich im Morast. Obwohl ich abgestiegen bin, sinke ich tief ein und der Lehmboden setzt sich zwischen Reifen, Schutzblechen und Bremsen fest, da geht nichts mehr. Da kommen meine Freunde und Helfer die Polizei vorbei und bringen mich, nach dem ich den Lehm notdürftig entfernt habe, zu einer Tankstelle wo ich Zelten kann.

Die beiden waren später noch mal da und haben sich erkundigt ob alles OK ist.

Zu allem Überfluss klemmt der Reißverschluss am Packsack als ich das Zelt auspacken will und platzt in der Mitte auf. Das repariere ich später, erst Zelt aufbauen, einrichten und was Kochen.

Eine Fertigsuppe ein wenig mit Salami und Brotwürfel aufgepeppt. Das Kochen im Zelt ist wie eine Zentralheizung, schnell ist es wohlig warm.

Zum Schluss des Tages brauche ich mit Stirnlampe und Pinzette noch eine gute Stunde bis der Reißverschluss wieder funktioniert.

Tagesdaten: 109 Km / 8:45Std in Fahrt / 782m Anstieg und 760mAbstieg hat das Wellenreiten ergeben.



Donnerstag den 04.04. Kamennaja - Elista

Gut habe ich geschlafen und als erstes brühe ich mir einen Kaffee auf. Der weckt die Lebensgeister und im Zelt wird es warm. Anschließend packe ich zusammen und bleibe dabei im warmen Zelt. Deshalb bevorzuge ich immer ein zwei Personen Zelt, weil auch bei Regen das Kochen und zusammen packen im Zelt möglich ist. So gegen sieben Uhr schallt es von Draußen wie Donnerhall an mein Ohr „Waaalteer“ Es sind die beiden Polizisten von Gestern, so kann ich mich verabschieden und mich noch mal bei ihnen für Ihre Hilfe bedanken.

Ein guter Zeltplatz mit Toiletten und Waschbecken. Später sehe ich etwa nach 23 Km einen Rastplatz mit Tische und Stühle und Toiletten.

Halb Acht gebe ich meinem Norwid die Sporen. Die erste Stunde kann ich noch den 20 er Schnitt halten dann aber wird der Gegenwind stärker.

Die Landschaft ist flach grün und ab und zu sieht man Schafs- oder Rinderherden

Pause nach 53 Km im Windschatten einer Raststätten Ruine. 

Nach einer halben Stunde Rast nehme ich die zweite Hälfte der Strecke unter die Reifen. Wenig Verkehr erleichtert das umfahren der Schlaglöcher. Die letzten 30 Kilometer steigt das Terrain noch mal an und kostet Kraft. Im Dorf Lola, ca. 25 Km vor Elista ist ein Polizei Check Point. Ich grüße den Beamten der vor dem Haus steht und fahre vorbei. Da ertönt dieser schnarrende tiefe Ton einer Sirene, den ich auch schon aus China kenne der nur der Polizei vorbehalten ist. Ich kehr um und am Fenster des Gebäudes fragt mich lächelnd ein Beamter auf Englisch, ob ich einen Kaffee möchte. Das Angebot nehme ich gerne an auch wenn da schnell mal eine halbe Stunde um ist. Dabei ist mein kleines Fotobuch, mit Bildern von meinen Touren, immer sehr hilfreich. Natürlich von PHOTO PORST in Ratingen ich sitze ja an der Quelle. Noch mal muss ich steil Hoch und dann wieder runter zur Innenstadt.

Das Hotel Elista das „kleine“ Hotel in der Innenstadt

Hier check ich für drei Nächte ein 3750,-Rubel = 51,-€ 

Blick aus dem Fenster meines Zimmers im vierten Stock

Nach dem Duschen gehe ich um die Ecke was Essen und Bier einkaufen, dann schreibt es sich später flüssiger. Den gestrigen Tag bekomme ich noch geschrieben dann kann ich mich nicht mehr konzentrieren.

Tagesdaten: 110 Km / 8:00 Std.in Fahrt / 554m Anstieg und 526m Abstieg




Freitag den 05.04 Besichtigung Elista Tag 1

Mitten in der russischen Steppe zwischen der Wolga, dem Kaukasus und dem Kaspischem Meer liegt einer der eigenartigsten Orte in Europa. Elista die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kalmükien. Sie ist die einzige, traditionell buddhistisch- und mongolisch sprachige Region Europas. Nach dem Ende der Sowjetzeit besinnt sich das Volk der Kalmücken auf ihre Wurzeln die in Ostasien lagen. Seit der Schach Weltmeisterschaft 1998 hat die Stadt ihr exotisches Aussehen. Hier soll sogar Schach ein Unterrichtsfach in der Schule sein.

Plan B ist Geschichte, denn hier bin ich wieder auf meiner ursprünglich geplanten Route und genau im Zeitplan.  

Das Goldene Tor

Da ich schon die Buddhistischen Tempel und Pagoden in Myanmar Indien und Nepal gesehen habe, wirkt das hier auf mich ein wenig wie Disneyland. Wenn man in die Gesichter der Menschen schaut fühlt man sich schon nach Asien versetzt.

Die Gebetsmühle in der Pagode der sieben Tage

Ein Gefallenen Ehrenmahl

Die Stadt hat so eine hohe Dichte an Skulpturen, Pagoden und Denkmäler das aber nicht über den Verfall hinwegtäuschen kann, dem man überall beobachten kann.

Der Akordeonspieler sitzt den ganzen Tag vor dem Hotel und spielt, der muss das schon im Schlaf können.

Morgen schaue ich mir die goldene Heimstätte des Buddha Skakyamuni an.



Samstag den 06.04

Gestern nach Mittag brachte mir die Deschurnaja zu Deutsch, Diensthabende Etagen Frau meine frisch gewaschene Wäsche zurück (300,- Rubel). Sie ist noch ein Überbleibsel der Sowjet Zeit und ist offiziell schon in den 1990 Jahren abgeschafft worden. Hier im Hotel sitzt auf jeder Etage noch eine Deschurnaja die dem Gast den Schlüssel aushändigt und sich um den Gast kümmert. In meinem Fall bekam ich von ihr den Zugangscode für Internet und nahm meine Schmutzwäsche in Empfang.

Ich kenne das ja auch noch von meiner ersten Russlandreise mit Piet, Dinie und Hanni, da waren diese älteren Damen staatliche Ordnungsmacht, die man aber für Schokolade oder ein paar Nylons gnädig stimmen konnte.

Um 10:00 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Tempel „Die goldene Heimstätte des Buddhas Sakyamuni“ Das Wahrzeichen der Stadt ist vom Hotel fußläufig in 20 Minuten erreichbar.

Der Südeingang, durch den man den Tempel betreten kann. Im Inneren darf nicht fotografiert werden. Dort steht der 9 m hohe Buddha.  

Gebetsmühlen am Osteingang

Der Osteingang

Auf dem Rückweg nehme ich eine parallel zur Hauptstraße verlaufende Straße und man wähnt sich in einem Provinz Dorf.

Ikea noch klein aber fein

Über den Leninplatz vorbei am Brunnen der drei Lotusblüten und der Pagode der sieben Tage gehe ich ins Marktviertel und frage mich durch, bis ich das kleine WD 40 Ölspray gefunden habe. Die Kette am Rad die Bremsen und die Pedale müssen mal gründlich gereinigt werden, was auch eine gute Stunde dauert. Morgen werde ich nach Astrachan aufbrechen ca. 320 Km Steppenlandschaft erwarten mich. Übernachtungsmöglichkeiten?



Sonntag den 07. 04.  Elista – Yashkul

Es ist Sonntagmorgen 7Uhr 30 und mein frisch geputztes Rad ist beladen. Vom Dschingis Khan, sowie der Sicherheitsbeamte sich selber nennt, verabschiede ich mich noch und trete in die Pedale. An der nächsten Kreuzung sehe ich ein Plakat der Roten Armee dafür stoppe ich noch mal mein Gefährt.

Soldaten aller Länder, steigt um aufs Velo denn damit könnt ihr friedlich die ganze Welt erobern.

Erst als ich die Stadt verlassen habe merke ich erst wie nebelig es ist man sieht kaum noch 20 Meter weit. Erst als ich unter 100 Höhenmeter bin wird die Sicht besser. Die Straße hat keinen Seitenstreifen, das heißt für mich doppelte Konzentration auf den LKW Verkehr. Die guten Brummifahrer hupen mich von hinten an, wenn es eng wird und ich besser das Spielfeld verlasse.

Diese Bushaltestelle die ich als Pausenraum nutze ist ein gutes Beispiel für die Region Kalmückien. Es wird vieles gemacht, aber nicht fachmännig genug. Es wird nichts repariert und damit sind auch solche mit Liebe hergestellten Mosaike dem Verfall preisgegeben.

Die erste Hälfte der Strecke war noch hügelig aber nach der Teepause wird es dann flach wie eine Tischplatte.

Bäume und Sträucher sind hier in der Steppe eine Rarität und deshalb hart umkämpfte Reviere der Krähen beim Nestbau.

Das Bon Voyazeh

Noch seltener wie Bäume sind hier die Übernachtungsmöglichkeiten. Ich habe Glück und brauche mein Zelt heute nicht auspacken, denn im Ort Yashkul finde ich ein Hostel das für 500 Rubel ein Bett in einem Vierbettzimmer für mich hat.

Alles Blitze Blank und frisches weißes Bettzeug

Eine gut ausgestattete Küche ist neben an und Duschen und WC sind ebenfalls OK. Wifi ? na klar !




Montag den 08.04. Yayskul – 18 Km hinter Khulkhuta 104 Km

Gestern Abend wurde von einem Paar noch zwei Betten belegt und so kam ich noch in den Genuss, zu sehen was sich der russische Normalbürger abends im Fernseher anschaut. Mit Pamela, Martha, Emma und Sebastian konnte ich skypen und es ist schön zu sehen, dass es ihnen gut geht.

Eine halbe Stunde bevor der Wecker klingelt war ich schon hell wach, so räume ich meine Habseligkeiten in die Küche um die Beiden nicht so früh zu stören.

Der Radtag fängt heute deshalb schon um sechs Uhr an, bei bewölktem Himmel und 10 Grad.

Die Ziele für heute und Morgen

Den Gedanken, heute einen neuen Rekord aufzustellen, verwerfe ich schnell denn der Steppenwind pustet mir heftig ins Gesicht. In Utta habe ich nach 4:10 Std Kurbelarbeit nur 57 km geschafft und brauche eine Pause. Jetzt kommt auch die Sonne raus und ich habe für eine kurze Zeit einen blauen Himmel über mir.

Das Dorf Khulkhuta erreiche ich bei Tageskilometer 86

Hier im Tante-Emma-Laden lasse ich den Wassersack mit Trinkwasser auffüllen und kaufe noch Joghurt ein. Dort erfahre ich, dass es ein Hotel in der Ortschaft Lineynoe gibt, ca. 80 Km von hier. Vielleicht wäre das was für Morgen? Ich verlasse die Ortschaft, und es kommt auch die Hügellandschaft wieder. Ab jetzt halte ich schon mal Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz. 16:45 Uhr habe ich die richtige Stelle gefunden. Das Rad muss ich einen Hang hochschieben und wieder ein Stück runter in eine Mulde. Der perfekte Platz, weit genug weg von der Straße und ich kann doch noch ein Stück davon einsehen. Genau hier baue das Zelt auf. Nach einem frisch aufgebrühten Kaffee, beginne ich mit dem Kochen.

Ich genieße noch die Abendsonne mit einem Becher Rotwein

Das Nudel Gericht ist fertig dann einen guten Appetit

Tagesdaten: 104 Km / 8:10Std in Fahrt / 117m Anstieg und 140 m Abstieg



Dienstag den 09.04.  18 Km hinter Khulkhuta - Lineyhoe    67 Km

Um fünf Uhr werde ich wach, nach dem ich das Wasser abgeschüttet habe, krieche ich noch mal in den warmen Schlafsack. Gegen Sechs setze ich Kaffee Wasser auf und mache das Müsli fertig. Draußen sind es angenehme 15 Grad und ein wolkenloser Himmel soweit das Auge reicht.

Alles ist verstaut und verpackt, so schiebe ich mein Norwid zurück zur P216 und der neue Radtag kann beginnen. Leider ist der Wind auch wieder da und sogar ein wenig heftiger als Gestern. In einer Stunde kräftezehrendes Kurbeln schaffe ich gerademal 12 Km.

Kurz drauf verlasse ich Kalmückien und bin nun in der Oblast Astrakhanskaya  

Wo ich gestern noch bei Höhenmeter Minus 44m war geht es sehr langsam höher. Ein Dauerndes auf und ab bei dem Gegenwind macht einen fertig. Aber dann denke ich an Mauretanien wo ich nur mit 6 Km/h vorwärtskam und alles ist nur noch halb so schlimm.

Der letzte selbstgemachte Power Ball von Pamela, vielleicht bringt Gabi ja neue mit nach Norwegen.

Zeltplatz in 60 Km, ist sicher kein für Radfahrer gedachtes Schild bei der Entfernung.

Die ersten Häuser von Lineynoe tauchen auf. Hier soll es ein Hotel geben was leider nicht stimmt. Die junge Dame im Magazin besorgt mir ein Privatzimmer hier im Ort. So habe ich Morgen noch ca. 60 Km bis Astrachan wo ich im Hotel Skazka, in der Nähe vom Kreml ein Zimmer gebucht habe.

Meine Bleibe für heute  

Was ich herausbekommen habe. Es leben im Haus ein Paar mit zwei Mädchen, und die Mutter des Mannes. Frau Stalin, so habe ich sie getauft, die hat hier das sagen und ist mir ist mir total unsympathisch. Gewaschen wird sich in der Küche und das Plumpsklo steht im Garten.   

Tagedaten: 67 Km / 5:45 Std / 183m Anstieg und 192m Abstieg



Mittwoch den 10.04. Lineyhoe -Astrachan 55 Km

Sobald es hell wird so um 5 Uhr 30, rührt sich was im Haus. Ich mache mir Frühstück und habe anschließend eine Ortsbesichtigung des Holzhäuschen im Garten. Das hat anstatt einem Herzchen, eine auf der Spitze stehende Raute in der Tür und nur ein quadratisches Loch im Holzboden.

Da lobe ich mir doch unser altes Plumpsklo. Es hatte eine Sitzbank mit rundem Ausschnitt der mit einem Deckel verschlossen war. Links lagen alte geviertelte Zeitungen als Toilettenpapier fein säuberlich auf einem Stapel . Im Sommer lupfte man den Deckel, warf ein Stück brennende Zeitung hinein und hatte so erstmal Ruhe vor den Fliegen.

Beim Waschen und Zähneputzen in der Küche sehe ich das die Hausfrau für mich Frühstück gemacht hat. Brot Wurst und Butter stehen auf dem Tisch und einen Kaffee bekomme ich aufgeschüttet. Jetzt frage ich sie nach ihren Kindern und das Eis ist gebrochen. Sie und ihr Mann schauen sich ganz begeistert das Fotobuch von der Weltreise an. Als das Rad beladen ist verabschieden wir uns herzlich.

Meine netten Gastgeber

Vom Gegenwind schreibe ich nichts mehr, denn der ist einfach da und gehört wohl zu der Straße wie der Asphalt.

Da kann die Wolga und das Kaspische Meer nicht mehr weit sein.

Endlich nach 38,5 Km bin ich an der Abzweigung die  links nach Astrachan führt und genieße es nach der Tee Pause mal ohne Gegenwind zu pedalen.

Die Wolga, mächtigster und längster Fluss Europas 

Auf der anderen Seite der Wolga kann ich dann auf der Uferpromenade eines Kanals bis zum Kreml fahren.

Wladimir IIjitsch L. und Walter Hubert L.

Das Hotel ist keine 500m entfernt und dort check ich für drei Übernachtungen ein. Beim ersten Spaziergang bei sommerlichen 25 Grad mach ich noch ein paar Fotos von dieser fantastischen Stadt.

Es muss nicht immer Kaviar sein

 

Wenn ich ein wenig mehr Platz in den Gepäcktaschen hätte, würde ich mir dieses Häuschen mit nach Hause nehmen.

Tagesdaten: 55 Km / 4:25Std in Fahrt / 170m Anstieg und 175m Abstieg




Donnerstag den 11.04.

Als erstes möchte ich mich bei meiner treuen Leserschaft mit einem Frühlingsgruß aus Astrachan bedanken.

In Astrachan gibt es auch viele Kanäle und Brücken sie aber deshalb mit Venedig zu vergleichen halte ich für weit hergeholt. Die Stadt hat ihren eigenen Scharm und genug Sehenswürdigkeiten zu bieten, die man sich gut zu Fuß anschauen kann. Der Kreml ist wohl der markanteste Gebäudekomplex der Stadt.

Der faszinierende Astrachan Kremlin ist die bekannteste und meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Stadt. Es wurde im 16. Jahrhundert gebaut und vor weniger als einem Jahrhundert fertiggestellt. Heute besteht der Kreml aus 22 Bauten, darunter wunderschöne alte Kirchen, Wehrtürme, Kasernen und mehrere Verwaltungsgebäude.

Die Kremlmauer mit Wehrturm

In der Kirche die ich mir anschaue ist gerade ein Hochzeitsfotograf bei der Arbeit

Bilder fürs Leben

Da ich auf dem Kremlgelände Postkarten erstehen konnte aber keine Briefmarken, mache ich mich auf zur Post. Meinem treuen Leser Jonas aus St-Etienne in Frankreich habe ich eine Ansichtskarte aus Russland versprochen, denn er war mir mit meinem diesjährigen Aprilscherz auf den Leim gegangen.

Nach dem Mittagessen laufe ich am Kreml vorbei bis zur Uferpromenade an der Wolga. Eine Insel liegt hier mitten im Strom und lässt ihn dadurch schmaler erscheinen. Hier wird flaniert und die Petrijünger versuchen ihr Glück beim Angeln. Das Glück ist mir holt denn ich finde ein Hausboot mit Restaurant und eigener Brauerei auf dem Boot. Das ist ja wohl genau das richtige für mich.

Ein Geheimtipp

Hier werden drei Sorten Bier gebraut. Pils, naturtrübes Bier und Schwarzbier wo ich mal mit anfange.

Bier & Fisch

Die Spezialität ist der Trockenfisch sein leicht traniger salziger Geschmack passt vorzüglich zum Bier. Tipp vom Kellner der junge Mann sprach gutes Englisch. Den halben Liter naturtrüb koste ich noch doch beim Pils passe ich sonst wir mein Blick Natur trüb.

Die Brauerei kann man durch den Glasboden im Restaurant sehen. Das Foto habe ich aber unten gemacht aus technischen Gründen.

Zurück gehe ich durch die Altstadt und noch mal durch den Kreml

Die Zwiebeltürme des Kremls




Freitag den 12.04. 2019  Letzter Tag in Astrachan

Seit ich mich in Astrachan aufhalte bin ich wieder in einer neuen Zeitzone. Meinem Sohn Ingo war das aufgefallen. Mir, dem Reisenden durch die Zeitzonen, war das entgangen.

Da es in der Nacht heftig geregnet hat, habe ich es nicht eilig heute Morgen. Nach Müsli und Kaffee beschäftige ich mich mit der nächsten Etappe der Reise, von Astrachan nach Wolgograd ca. 450 Km.

Was gibt es da schon zu Planen und zu bedenken, wird sich der ein oder andere denken. In diesem Fall gibt es nur zwei Varianten, von Astrachan aus gesehen auf der linken oder auf der rechten Seite der Wolga entlang. Ich habe mich für die rechte Seite und die etwas längere Nebenstrecke entschieden und hoffe auch für die Landschaftlich schöne Route.

Nach zwei Stunden vor dem Laptop muss ich an die frische Luft.

Das ist nicht einer der zahlreichen Kanälen die es in dieser Stadt gibt, nein so sehen viele Nebenstraßen in der Innenstadt nach Regengüssen aus.

Heute gehe ich durch die Südstadt und an jeder zweiten Ecke steht eine Moschee oder Kirche. Ein Schmelztiegel der Kulturen war diese Stadt schon immer auch als sie noch nicht zum russischen Reich gehörte.

Kathedrale Sobor Ravnoapostol`nogo Kuyazya

Die prachtvoll ausgeschmückte orthodoxe Kirche mit wunderschönen Ikonen

Verwahrloste Bausubstanz

Astrachan ist eine der ältesten Städte Russlands. Vieles gammelt vor sich hin oder wird platt gemacht, aber auch Ansätze zur Erhaltung und Renovierung der alten Häuser sieht man ab und zu.  

Von einer Wolgadelta Tour hat man mir abgeraten, dies sei nur im Sommer und Herbst interessant, weil dann der Lotus blüht. Um Tiere zu sehen muss man in den Nationalpark und braucht eine Genehmigung, die etwas Vorlauf benötigt.

Morgen breche ich auf nach Wolgograd dem früheren Stalingrad.



Samstag den 13.4. 2019 Astrachan – Kharabali  168 km

Mein Outfit heute:  Merino Unterhose, Kurzarm T-Shirt, Wollsocken, Stulpen, lange Jogginghose, Radschuhe hoch, Kapuzenjacke.

Die Stadt ist noch wie ausgestorben als ich am Kreml vorbei, Stadt auswärts pedale. Nach 12 km kommt der Abzweig nach Wolgograd.

Der unterste Name auf dem Schild heißt Wolgograd, nur für die Menschen, außer Hennes mein Kegelbruder, die kein Russisch beherrschen.

Einen Tagesritt weiter nach Osten und ich wäre in Kasachstan. Hier schwenke ich aber auf Nord West zu, denn ich will nach Wolgograd.

Viele Wasserläufe überquere ich bevor ich auf die Straße Astrachan – Wolgograd komme. Ab jetzt ist die Eisenbahn mein Begleiter. Die Zugführer grüßen mich mit einem Pfeifsignal, es hat sich schon rum gesprochen da fährt so ein Verrückter mit dem Fahrrad durch die Steppe.

Die Strecke heute:  Von 12 -25 Grad. Bis zur Teepause (58Km) windstill. Danach Wind aus westlichen Richtungen. Ab ca. 80 Km kommt das Hügelhüpfen dazu. Auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht, stoße ich häufig auf Fishing Hotels, meist nur auf Sand und Matschpisten zu erreichen. Nicht nur der erste Mann im Staate, Wladimir Putin, geht gerne Jagen und Angeln, auch für Iwan Normalverbraucher gilt das umso mehr.

Ortseingang Kharabali

Bei Google Maps habe ich gesehen, dass es hier ein Motel gibt, und als ich es gefunden habe steht so ein Kamerafahrzeug auf dem Parkplatz.  Nach einiger Fragerei und Zeitgenossen die mich in die falsche Richtung schicken, ist da ein junger Mann der mir den richtigen Weg zeigt. Gerade als ich auf die Einfahrt zum Motel abbiege geht die Beleuchtung an.

Ein großes Motel mit nettem Personal die mir noch Spiegeleier mit Salat und Würstchen machen, dazu zwei Pullen Bier und es geht mir auch nach 168 Km wieder blendend.   

Tagesdaten: 168 Km / 11Std.in Fahrt / 496 m Anstieg und 512m Abstieg




Sonntag den 14.04. Kharabali - Akhtuinsk 146 Km

Als der Wecker mich um 5Uhr 30 aus dem Land der Träume reißt und ich da schon gewusst hätte was heute alles so passiert, wäre ich wohl liegen geblieben. Der neue Rad Tag beginnt vielversprechend, wolkenlos und das Thermometer zeigt mir 15 Grad an.

Nach 18.5 Km sehe ich die Hinweistafel 125 Km bis zum Ort Akhtubinsk

Das ist mein heutiges Ziel. Vom Ort 50 Km entfernt liegt das Tote Meer Russlands, der Salzsee Baskuntschak an der Grenze zu Kasachstan. Dort will ich hin, er ist im Sommer ein beliebter Badeort der Russen, die sich dort bei Salz und Schlammbädern erholen. Aber erst mal weiter auf der Straße durch die Steppe. An einem Market kaufe ich noch Wasser Joghurt und Wurst ein. Nach 43 Km ist es Zeit zum Rasten. Brot, Käse und Wurst liefern neue Kalorien und der heiße Tee tut gut.

Die Landschaft wechselt zwischen baumloser Steppe oder wie hier Feuchtgebiete, Seen und Schilflandschaften.

Bei der zweiten Pause bei Tageskilometer 86 km, ich will mir neues Wasser kaufen merke ich das mein Tagesportmonee nicht mehr da ist. Da nur die Visa Card und ca. 2500,-Rubel drin waren, ist der Verlust vom Bargeld nicht so tragisch, die verlorene Visa Card ärgert mich schon. Einen Moment überlege ich zurückzufahren, es müsste beim Wasser kauf passiert sein aber das liegt 48 Km zurück.  Ich rufe meinen Sohn Ingo an und er lässt die Kreditkarte sperren. Er ist immer da für mich, wenn ich ihn brauche. Ich habe ja noch eine Karte, da muss ich jetzt gut drauf aufpassen.

Namenlose Dörfer an der Straße

Um 18:30 bin ich am Ortseingang von Akhtubinsk und das Navi bietet mir Hotel Anmaz an und führt mich dort hin. Schönes Hotel, schönes Zimmer, Wifi und das Rad steht auch drinnen.  An der Rezeption spricht man kein Englisch aber ein Mann der im Hotel arbeitet, ruft seine Schwester an die in Leipzig wohnt und gerade zu Besuch da ist. Mit dessen Hilfe buche ich zwei Übernachtungen und eine Taxi Fahrt zum Salzsee und zurück, die 2000,- Rubel (27,- €) kosten soll. Das Zimmer bezahle ich mit Master Card alles ist perfekt. Gerade habe ich mir einen Kaffee aufgeschüttet und will unter die Dusche da klopft es an der Tür. Der Mitarbeiter mit dem Smartphone in der Hand steht vor der Tür und seine Schwester erklärt mir, dass ich dort nicht bleiben kann, das Hotel hat keine Genehmigung für ausländische Gäste und der Ausflug zum Salzsee ist für mich verboten, wegen der Grenznähe zu Kasachstan. Ich könnte heulen,“ äver Indianer krische nit“ Es nutzt alles nichts ich werde umgesiedelt. Das Hotel muss Wifi haben ist meine Bedingung und ich muss gefahren werden, denn im Dunkel mit den Schlaglöchern in der Straße, fahre ich nicht. 21:00 Uhr bringt man mich samt Gepäck und Rad zum Hotel Soyuz. Hier checke ich ein und bezahle mit Karte, das Geld vom Hotel Anmaz habe ich zurückbekommen. Auch hier bekomme ich ein schönes aber auch teureres Zimmer.

Es ist 21:30 im Supermarkt neben an habe ich noch eingekauft. Das wichtigste ist das Bier, denn nach einer heißen Dusche sitze ich auf dem Bett, esse Butterbrote, Salat und ein kühles Blondes lässt mich wieder durchatmen. Da ich Gestern im Motel kein Wifi hatte schicke ich den Tagesbericht vom14.04. jetzt noch an Ingo.

Tagesdaten: 146 Km / 10:10 Std.in Fahrt / 257m Anstieg

 

 


Montag den 15.04    Ruhetag in Akhtubinsk

Als ich gestern Abend den Tagesbericht an Ingo geschickt hatte war ich immer noch wie aufgedreht. Zum runterkommen und Abschalten habe ich mir noch den Kölner Tatort „Tanzmariechen“ reingezogen. Danach konnte ich schlafen.

Zum späten Frühstück überrasche ich mich mal selber mit drei Spiegeleier auf Käsebrot. Gestern gab es ja nicht gescheites. Bei Booking.com buche das Motel für Morgen und die drei Übernachtung in Wolgograd, damit ich da nicht schon wieder eine Überraschung erlebe.

Hotel Soyuz

Um die Mittagszeit, ich mache gerade meinen ersten Spaziergang durch die Stadt, tut sich in der Magengegen so eine Leere auf, dass ich essen gehe. Im China Restaurant fülle ich den Hohlraum mit einem Nudelgericht.

Düsenflieger, der war auch schon hinter den 99 Luftballons her.

Später schreibe ich noch den Tagesbericht von Gestern, mit viel Text aber es gab auch genug zu erzählen und schicke in ab in die Heimat.

Kreuzung  

Rückseite der Mietshäuser

Auf dem Rückweg vom nachmittags Spaziergang kaufe ich im Supermarkt noch ein und koche mir ein Reisgericht mit Bohnen und Tunfisch. Morgen fahre ich bis ca. 45Km vor Wolgograd und schlafe im Motel Impuls.

 

 

Dienstag den 16.04.19    Akhtubinsk – 4,5Km hinter Zayar  119Km

Wo der Wind vorgestern noch aus Westen blies, kommt er heute Morgen aus der entgegengesetzten Seite. Ein kräftiger Ostenwind, meine Hauptfahrtrichtung ist Nordwest, also „RÜCKENWIND“. Das ich das noch mal erleben durfte, nach der Plackerei der letzten Tage.

Flickenteppich

Das Einzige was mich ab und zu langsam werden lässt ist die Straße, die mir all ihre Schlaglöcher in den Weg legt, die sie zu bieten hat. Mit Tempo 30Km/h fliege ich zeitweise über den Asphalt und kurve um die Frostschäden des letzten Winters herum, solang es der Autoverkehr es zulässt. Ab dem Tageskilometer 45, wird auch die Landschaft abwechslungsreicher.

Eine Stimmungsvolle Landschaft

Die Steppenlandschaft verschwindet nach und nach. Es ist dichter besiedelt und ab und zu sieht man schon eine bearbeitete Ackerfläche.

Die Spritpreise hier liegen zwischen 42,86 Rubel (0,59 €) und 46,98 Rubel (0,65 €) Da kann man als deutscher Autofahrer schon mal feuchte Augen bekommen.

Oblas Wolgograd

Bei Tageskilometer 62 verlasse ich den Oblas Astrachan und bin nun in der Oblas Wolgograd. Als Oblas bezeichnet man einen größeren Verwaltungsbezirk. Erst nach 3:43 Stunden in Fahrt bekomme ich Hunger und finde ein Bushäuschen für die Tee Pause.  Nach der Pause nimmt der Verkehr zu und ich muss voll konzentriert fahren um nicht vom LKW ins Aus geschickt zu werden. Was für eine Zeit! 11Uhr11 ist es, ich klingele heftig und rufe „Gabi 100“ und keiner gibt mir eine Antwort. Zwei Stunden später stehe ich schon vor dem Motel, welches direkt an der Straße liegt. Wieder habe ich nur die Koordinaten ins Garmin eingegeben und es bringt mich Punkt genau bis vor die Tür.

Am Abend bekomme ich im Restaurant:  Rote Suppe „Borschtsch“ mit Brot, einen Filettopf, Fleisch, Gemüse, Kartoffel, Pilze, Weißkohlsalat, einen Kaffee und 1,5L Mineralwasser, Kosten 520,- Rubel.

Frühstück habe ich mit der Dame an der Rezeption für acht Uhr ausgemacht, zu früh los zu radeln bringt auch nichts, dann komme ich in den Berufsverkehr von Wolgograd.                   

Tagesdaten: 119 Km / 5:55Std. in Fahrt / 183m Anstieg und 204 m Abstieg / Schnitt 20.1




Mittwoch den 17.04.   Zayar – Wolgograd 36 Km

Um halb acht Uhr bin ich im Restaurant und das Frühstück lässt nicht lange auf sich warten. Spiegeleier, Brot, 2 Tassen Kaffee und zwei Teilchen verputze ich. Die nette Dame aus der Rezeption bietet mir an Angesichts des schlechten Wetters bis Mittag da zu bleiben. Nach dem ich dankend ablehne gibt sie mir noch Proviant und Getränke mit fürs zweite Frühstück. Die ganze Nacht hatte es geregnet und jetzt ist es stürmisch und kalt da Draußen. Um 10:00 Uhr schwing ich mich aufs Rad und pedale los. Es regnet nicht mehr aber die riesigen Pfützen zu umfahren ohne eine Schmutzwasserdusche von den Autos ab zu bekommen grenzt schon an ein Wunder. Ich habe es nicht eilig und fahr gemütlich bis zur Wolga Brücke und wechsele dort auf den Fußgängerweg um besser anhalten zu können um zu fotografieren.

Die Brücke über die mächtige Wolga

Feinster Sandstrand an der Wolga  

"Mutter Heimat“ das Wahrzeichen der Stadt ist schon von weitem zu sehen.

Noch immer steht die Stadt ganz im Zeichen der Schlacht um Stalingrad wie Wolgograd damals hieß. Direkt am Wolga Ufer steht noch eine Haus Ruine die man als Mahnmal so belassen hat.

Es ist heute schwer vorstellbar, dass die ganze Stadt in Trümmern lag. Gut das diese Zeiten vorbei sind und hoffentlich nie wieder zurückkommen.

Ab jetzt halte ich Kurs, denn die Koordinaten für das Kastan Hotel habe ich heute Morgen schon eingegeben. Am imposanten Bauwerk des Hauptbahnhofs vorbeikommend, habe ich mein Ziel nach ein paar Minuten schon erreicht. Tolle Lage hat das Hotel, schönes großes Zimmer bekomme ich und Kühlschrank und Wasserkocher sind auch da. Bevor ich zum ersten Spaziergang aufbreche gebe ich meine Schmutzwäsche in die Obhut des Zimmermädchens.

Der Hauptbahnhof von Wolgograd

Nach einer Stunde suche und finde ich einen Supermarkt kaufe ein und wandere zurück.

Das bestellte sonnige Wetter, wird ab morgen geliefert. Denn die Besichtigung des Mamajew Hügel steht auf meiner morgigen Agenda. Meinen Bart habe ich heute Morgen abrasiert, damit man mich nicht für einen Stalingrad Veteran hält.

Tagesdaten: 36Km /2:35 Std. in Fahrt / 278m Anstieg und 223m Abstieg




Donnerstag den 18.04. Besichtigung Wolgograd erster Tag

Der Mamajew Hügel den ich mir anschauen will liegt ca. 5 Km vom Hotel Kastan entfernt. An der Rezeption frage ich nach dem Taxipreis. 90 Rubel kostet eine Fahrt, zurück will ich gehen und mir die Stadt anschauen. Ein tiefblauer wolkenloser Himmel und 4 Grad erwarten mich Draußen.  

Die heutige Millionenstadt an der Wolga hieß bis 1961 Stalingrad. Mehr als eine Millionen Menschen, Soldaten wie Bürger, ließen hier in der Winterschlacht 1942/43 ihr Leben. Die Gräueltaten haben zu viele Spuren hinterlassen, um der geschundenen Stadt selbst nach so vielen Jahren bloß mit touristischer Neugierde zu begegnen. Die Stadt an der Wolga mit ihrer traurigen Vergangenheit ist für die Russen ein Wallfahrtsort der Erinnerung aber auch des patriotischen Stolzes auf den so teuer errungenen Sieg. Das erhabenste Sinnbild dafür beherrscht die höchste Erhebung der Heldenstadt, den Mamajew-Hügel.

Der Weg vom Leninski Prospekt ist mit Pappeln gesäumt und lässt die schon die gewaltigen Ausmaße der Statue erahnen. Die 1967 errichtete „Mutter Heimat“ ragt 52 Meter in den Himmel, 33 Meter misst das Schwert in ihrer rechten Hand. (Heute hätte sie ein Smartphone in der linken Hand und würde ein Selfi machen.)

Mutter Heimat

Unterhalb liegt die riesige, kreisrunde Ruhmeshalle, in der die ewige Flamme zum Gedenken an alle Gefallenen brennt.

Vom Hügel hat man einen tollen Ausblick auf die über 70 Km lange Stadt und die zäh dahinfließende Wolga.

Das neue Stadion das für die Fußball WM letzten Jahres erbaut wurde.

Nach so vielen Eindrücken wandere ich durch die Stadt zurück zum Hotel, immer auf Fishing Shops achtend, denn ich brauche noch Camping Gas Kartuschen. In zwei Läden habe ich nachgefragt aber die hatten nur Gas in Spraydosen Format.

Nach dem Mittagessen gegen 14:00 Uhr gehe ich nochmal auf die Pirsch und siehe da ich werde fündig.

Die beiden Gelbwesten können mir helfen und ich verlasse das Campinggeschäft mit drei Gaskartuschen.

Auf dem Weg zurück sehe ich noch ein schönes Auto. Sebastian der Freund von Pamela hätte bestimmt Spaß an so einem Teil.

Zum krönenden Abschluss des Tages erstehe ich eine russische Sim fürs Telefonieren und surfen im Internet ohne Begrenzung für 450 Rubel im Monat. Sowas nenne ich doch einen erfolgreichen Tag.

Morgen schaue ich mir das Stalingrad Museum an.



 

Freitag den 19.04. Besichtigung Wolgograd zweiter Tag

Heute wird in der Heimat Karfreitag begangen und ich habe mir das Stalingrad Museum angeschaut. Der Besuch hat eine Düstere Stimmung bei mir hinterlassen. Es fällt mir schwer all diese furchtbaren Bilder die ich heute gesehen habe in Worte zu fassen. 

Vom Hotel aus wandere ich durch die Stadt bis zur Wolga. Die Sonne scheint und ich versuche in ihrem Licht zu bleiben denn im Schatten ist es noch kalt.  

Im Panoramamuseum wird ausgestellt, was übrig blieb von der großen Schlacht: Helme, Uniformen, Stiefel, eine Stalinorgel, Plakate, die zur Verteidigung der Stadt aufrufen, verbrannte Mauerreste. Die Toten haben Gesichter. Unter ihren Fotos wird erklärt, was sie vollbracht haben. Viele starben jung, manche waren Kinder.  

In den einzelnen Abteilungen werden Waffen Uniformen in steriler Umgebung gezeigt. Das Grauen von Damals kann man erahnen, aber um es zu fühlen, so glaube ich, muss man dabei gewesen sein.  

Ein BMW Motorrad der Wehrmacht  

In der Halle für die Gefallenen brennt die ewige Flamme. An der Wand hängen Stoffbahnen, in die stellvertretend für alle Gefallenen die Namen von 7.000 Toten eingewebt sind.  

Steigt man die Treppen hoch bis in die Kuppel des Museums befindet sich das wohl längste Bild der Welt: 120 Meter im Kreis. Mit zum Himmel gestreckten Händen flehen Verwundete um Erlösung, Sterbende öffnen die Münder zu stummen Schreien. Der Himmel ist rot und schwarz, die Erde Blut getränkt, die Stadt voll lodernder Feuer, auch die Wolga brennt. Am Rande der Landschaft fliehen Frauen, Kinder und Alte über der Wolga. Auf der anderen Seite stürzen Kampfbomber mit Hakenkreuzen ab.  

Nach dem Besuch des Museums, das Sonnenlicht und der blaue Himmel holen mich schnell wieder ins Jahr 2019 zurück, laufe ich durch die Stadt und gehe Essen im „ Bamberg“  

Eine gemütliche Gaststatte und Restaurant nach bayrischer Art mit Kellnerinnen im schicken Dirndl. Hier ist es dreimal so teuer wie in einem normalen Restaurant aber das gönne ich mir heute mal. Schwarz Bier, griechischer Salat, Hackbraten mit Sauerkraut und Kartoffelpüree.  

Hier in Russland wird erst nächste Woche Ostern gefeiert. Ursula eine gute Freundin schrieb mir, ich könne ja in Gedanken mit meinen Lieben zu Hause feiern und nächste Woche hier in Russland das Osterfest begehen. Das ist doch eine gute Idee.

Da ich mit meinem Zeitkonto im Plus stehe, werde ich noch ein Stück die Wolga hoch pedalen. Morgenfrüh geht es los auf die 370 Km lange Strecke Wolgograd- Saratow.